22.10.2026 | News

Busbar-Durchführungen dauerhaft abdichten: Elastomer statt Epoxid

Technologien & Innovationen Busbars E-Mobilität

Wo Kupferleiter Gehäusewände durchdringen, können in gängigen Vergusssystemen unter thermischer Belastung Mikrorisse entstehen. Freudenberg Sealing Technologies setzt deshalb auf Verbindungstechniken, die dieses Problem lösen.

Teilen auf

Chemisch gebundene Dichtungen für Hochvolt-Durchführungen im Elektrofahrzeug

Wo Busbars im Elektrofahrzeug durch Gehäusewände führen, bilden die heute verbreiteten Pottings aus Epoxid unter der wiederkehrenden Belastung Mikrorisse. Bei den zunehmend verbauten rechteckigen Stromschienen konzentriert sich die Belastung in den Ecken. Freudenberg Sealing Technologies verbindet stattdessen ein Elastomer chemisch mit dem Leiter. Die Anwendung auf rechteckige Querschnitte ist patentiert.

Wo Kupfer arbeitet, reißt der Verguss

Drei rechteckige Kupfer-Busbars in einem Thermoplastbauteil. Im Schnitt ist die blaue Elastomerschicht zu sehen: Sie ist chemisch an das Kupfer gebunden und dichtet zwischen Stromschiene und Kunststoff ab.

Busbars sind starre Stromschienen aus Kupfer oder Aluminium. Sie verbinden die Hochvoltkomponenten im Antriebsstrang, etwa Batterie, Junction Box, Inverter und Elektromotor. An jeder Gehäusedurchführung treffen dabei Metall und Kunststoff aufeinander, die sich bei Wärme sehr unterschiedlich ausdehnen. Bei rundem Querschnitt verteilt sich die Spannung gleichmäßig und lässt sich mit einem aufgesetzten Dichtelement beherrschen. Bei rechteckigen Querschnitten konzentriert sie sich in den Ecken. Hinzu kommt eine Kerbwirkung an den Kanten.

Pottings aus Epoxid reagieren auf diese ständig wiederkehrende Last mit Mikrorissen. Durch sie gelangen Öl oder Kältemittel in Bereiche, die trocken bleiben müssen. Da die Durchführung auch den spannungsführenden Leiter gegen das Gehäuse isoliert, können im schlimmsten Fall Kriechströme oder ein Kurzschluss die Folge sein. Reparieren lässt sich eine solche Stelle später kaum.

Eine Verbindung, die Bewegung mitmacht

Die Elastomerdichtung ist chemisch an die rechteckige Stromschiene gebunden. Die Verbindung von Metall und Elastomer verhindert Leckagepfade entlang der Grenzfläche.

Freudenberg Sealing Technologies setzt auf eine chemische Anbindung des Elastomers an die Stromschiene. Beim Rigid Overmolding wird die Metalloberfläche mit einem Primer vorbehandelt und mit einer elastomeren Schicht versehen, bevor das Bauteil mit Thermoplast umspritzt wird. So entsteht eine stoffschlüssige Verbindung. Bei der Variante Overmolded Installed sitzt die gebundene Elastomerdichtung zuerst auf dem Busbar und wird erst danach ins Gehäuse eingebaut. Das gleicht Fertigungstoleranzen, Versatz und Vibrationen aus und erlaubt zusätzliche Dichtfunktionen.

Anders als Epoxid folgt die elastische Verbindung den Relativbewegungen zwischen Leiter und Gehäuse, ob sie aus der Wärmeausdehnung im Betrieb oder aus der Montage stammen. Bei rechteckigen Querschnitten sorgt eine angepasste Dichtkontur auch in den Ecken für gleichmäßige Anpressung. Je nach Anwendung nutzt das Unternehmen FKM, AEM, ACM, HNBR, NBR oder EPDM und deckt damit Temperaturen von –40 °C bis über 200 °C ab. Auch in der Fertigung bietet das Konzept Vorteile. Ein Verguss erfolgt häufig erst gegen Ende des Produktionsprozesses. Tritt dabei ein Fehler auf, kann die gesamte Baugruppe unbrauchbar werden. Die Elastomerdichtung lässt sich dagegen an unterschiedlichen Stellen in den Fertigungsprozess integrieren. Das kann Ausschuss reduzieren.

Getestet am fertigen Bauteil

Gehäusedurchführung im Schnitt: Die an den Busbar gebundene Elastomerdichtung mit mehreren Dichtlippen dichtet mediendicht zum Gehäuse ab. Diese Dichtstelle wird am fertigen Bauteil geprüft. (Bild: Freudenberg Sealing Technologies)

Freudenberg Sealing Technologies hat dafür ein eigenes Prüfprogramm entwickelt, das neben Materialproben auch komplette Bauteile umfasst. Es orientiert sich an DIN EN 60068-2-2 für die Wärmealterung, DIN EN 60068-2-14 für den Temperaturwechsel und LV 214 für den kombinierten Thermoschock. Hinzu kommt die Lagerung in Öl oder Kältemittel. Besonders hohe Anforderungen stellt der Einsatz in CO₂-Klimakompressoren. Dort können CO₂-Moleküle in das Elastomer eindringen und sich bei schnellem Druckabfall schlagartig ausdehnen. Diese explosive Dekompression kann die Dichtung von innen beschädigen. Die Verbindung muss deshalb auch Prüfdrücken über 100 bar standhalten.

Entwickelt hat Freudenberg Sealing Technologies das Verfahren für Busbar-Durchführungen in ölgekühlten E-Motoren, Invertern und immersionsgekühlten Batterien. Inzwischen findet es auch Anwendung in Klimakompressoren, elektrischen Pumpen, Steckverbindungen und vielen weiteren elektrischen Applikationen. Mit steigenden Spannungen und kompakteren Bauräumen wachsen die Anforderungen an die zuverlässige Abdichtung. Deshalb sollte das Dichtungskonzept bereits bei der Entwicklung der Busbar-Durchführung berücksichtigt werden.

Mehr zu den Dichtungskonzepten für Busbars: Busbar-Dichtungen (https://www.fst.com/de/maerkte/automobil-lkw-bus/busbars/)


Technologien & Innovationen Busbars E-Mobilität
Teilen auf

Weitere News zum Thema Technologien & Innovationen

Technologien & Innovationen

Impulsgeber: Connector Seals erhöhen Anzahl der Freiheitsgrade in Batterie-Plattformen

18.08.2026 | Pressemitteilung

Mit den Connector Seals hat Freudenberg Sealing Technologies ein kundenspezifisch konfigurierbares Konzept entwickelt, das neue Systemansätze in der technologischen Weiterentwicklung moderner Battery Packs unterstützt.

Mehr erfahren

Technologien & Innovationen

DIAvent® maxFlow für Hochleistungsbatterien

21.05.2026 | Pressemitteilung

Hohe Entgasungsrate und einstellbarer Auslösedruck für anspruchsvolle Batteriesysteme

Mehr erfahren

Technologien & Innovationen

Modulare TPE-Faltenbälge für Sonderfahrzeuge und Industrieanwendungen

08.05.2026 | Pressemitteilung

Freudenberg Sealing Technologies erweitert sein Portfolio an Faltenbälgen um ein neues Fertigungsverfahren für Kleinserien. Erstmals lassen sich individuell ausgelegte Faltenbälge aus thermoplastischem Elastomer (TPE) mit deutlich reduzierten Werkzeug- und Fixkosten realisieren. Möglich wird dies durch ein modulares Werkzeugkonzept, das speziell für anwendungsspezifische Balggeometrien in kleinen Stückzahlen entwickelt wurde.

Mehr erfahren

Technologien & Innovationen

Oberflächentechnik FACT für die Umwelt: Adhäsives Beschichtungsverfahren ohne Nasschemie

22.04.2026 | Pressemitteilung

Lassen sich Beschichtungsverfahren so gestalten, dass sie ohne Nasschemie auskommen? Ja. Mit FACT etabliert Freudenberg Sealing Technologies einen neuen, kosteneffizienten und nachhaltigen Fertigungsprozess.

Mehr erfahren

Technologien & Innovationen

Technologietransfer mit Signalwirkung: Hydraulikspeicher für Pkw bewährt sich in der Landwirtschaft

17.03.2026 | Pressemitteilung

Ein für die Automobilindustrie entwickelter Hydraulikspeicher eröffnet neue Perspektiven für Landmaschinen unter Extrembedingungen. Freudenberg Sealing Technologies überträgt bewährte Pkw-Technologie erfolgreich in eine neue Anwendung.

Mehr erfahren

Technologien & Innovationen

Werk in Santa Ana gewinnt renommierten IndustryWeek Award

10.12.2025 | News

Freudenberg Sealing Technologies (FST) hat für sein Werk in Santa Ana, Kalifornien, den IndustryWeek Best Plants Award 2025 erhalten. Damit wurde zum ersten Mal in der 35-jährigen Geschichte des Programms ein FST-Standort mit dieser Auszeichnung geehrt.

Mehr erfahren

Technologien & Innovationen

Dr. Ruth Bieringer wird Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)

21.11.2025 | News

Am 1. Januar 2026 übernimmt Dr. Ruth Bieringer, Vice President Technology & Innovation – Material Technology bei Freudenberg Sealing Technologies, das Amt der Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Mehr erfahren

Technologien & Innovationen

Verfahrenstechnik: Neues Extrusionsverfahren für Dichtungsprofile

03.11.2025 | Pressemitteilung

Freudenberg Sealing Technologies nimmt eine mit Salzschmelze vulkanisierende Extrusionsanlage für Dichtungsprofile in Betrieb und erweitert sein Angebot an vulkanisierten Werkstoffen und Geometrien für anspruchsvolle technische Anwendungen.

Mehr erfahren

Technologien & Innovationen

Batteriesicherheit für die Mobilität von morgen

24.09.2025 | Pressemitteilung

Freudenberg Sealing Technologies präsentiert auf der Battery Show North America 2025 innovative Lösungen

Mehr erfahren