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Electric Power

03.10.2017 | Story

Wie der Strom aus der Sonne kam

Erneuerbare Energien Energiewende

Der Strommix der Zukunft ist ohne Solarenergie nicht denkbar. Einige Vorhersagen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 ein Fünftel der Elektrizität auf der Erde durch Fotovoltaik gewonnen wird. Wegbereiter dieser Technologie war ein kleines Malheur.

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Die Erkenntnis, dass das Sonnenlicht nicht nur wärmt, sondern auch Elektrizität erzeugen kann, ist 178 Jahre alt. 1839 bemerkte der französische Physiker Alexandre Edmond Becquerel bei Experimenten mit einer Platin-Anode und –Kathode, dass bei Tageslicht mehr Strom floss als bei Dunkelheit. Entscheidend für die wirtschaftliche Nutzung von Solarenergie erwies sich aber eine zufällige Entdeckung aus dem Jahr 1940. Der amerikanische Physiker Russell Ohl beobachtete bei seinen Forschungen mit Silizium einen ähnlichen Effekt, wie Becquerel ein Jahrhundert zuvor: Unter Lichteinfluss floss Strom. Dabei profitierte er davon, dass seine Probe einen Riss aufwies. Er führte offenbar dazu, dass sich anhand von Verunreinigungen mit anderen Atomen eine Seite positiv und die andere negativ geladen hatte. Der Strom konnte so fließen. Bis heute ist ein solcher positiv-negativ-Übergang die Basis jeder Silizium-Solarzelle.

Verunreinigen von Silizium als Erfolgsrezept

Ohl hatte seine Entdeckung in den Bell Telephone Laboratories gemacht und sie sollte für weitere Forscher dieser Einrichtung wertvoll werden. Ein Jahrzehnt nach Ohls Aha-Erlebnis suchten Gerald Pearson, Calvin Fuller und Daryl Chapin in den Bell Labs nach einer Möglichkeit, wie entlegene Telefonanlagen autark mit Strom versorgt werden könnten. Sie erfuhren, dass das in der damals neuen Transistortechnologie eingesetzte Silizium die von Ohl entdeckten Fähigkeiten aufwies. Inzwischen war klar geworden, dass mit anderen Elementen verunreinigtes Silizium lichtempfindlicher wurde und eine höhere Spannung erzeugte. Die Ergebnisse waren allerdings noch nicht befriedigend. Pearson, Fuller und Chapin experimentierten mit Bor und Arsen. Sie versetzten – oder dotierten, wie es in der Fachsprache heißt – das Silizium mit Spuren der beiden Elemente auf der Ober- beziehungsweise der Unterseite und erreichten einen Wirkungsgrad von bis zu sechs Prozent. Auf dieser Grundlage wurde 1954 der Weltöffentlichkeit die erste Silizium-Solarzelle vorgestellt.

Electric Power
Laut verschiedener Prognosen könnte im Jahr 2050 ein Fünftel der global benötigten Elektrizität aus Sonnenenergie gewonnen werden.

Durchbruch im Weltraum

Das neue Energiebündel sollte schon bald seinen Nutzen beweisen; und zwar im Weltraum. Die NASA stattete den 1958 gestarteten Satelliten Vanguard I mit 108 Solarzellen aus, die einen Sender mit Strom versorgten. Sie taten das so zuverlässig, dass der Sender noch sechs Jahre später Signale aussendete. Bis heute sind Solarzellen für Satelliten, Sonden und die Raumfahrt eine wichtige Energiequelle. Auf der Erde rechnete sich der Einsatz der Fotovoltaik aufgrund der enormen Produktionskosten lange Zeit nicht. Doch dank der beständigen Weiterentwicklung der Solarzellentechnik, wurde sie ab den 1990er Jahren zu einem nennenswerten Faktor in der Energieerzeugung.

Wirkungsgrad inzwischen bei über 26 Prozent

Im März 2017 vermeldeten japanische Forscher die Entwicklung einer Silizium-Solarzelle, die einen Wirkungsgrad von 26,3 Prozent aufweist. Ein solch hoher Wert wurde bei der Umwandlung von Lichtenergie noch nie erzielt. Die Grenze wird allgemein bei 29 Prozent gesehen. Mehr Energie können Silizium-Solarzellen dem Sonnenlicht angeblich nicht entlocken. Das ist dennoch ein stolzer Wert, wenn man bedenkt, dass der Zufall dieser Entwicklung entscheidend auf die Sprünge geholfen hat.

In der November-Ausgabe unseres Kundenmagazins ESSENTIAL stellen wir weitere bahnbrechende Innovationen vor, die einer glücklichen Fügung zu verdanken waren. Seien Sie gespannt auf die Ausgabe mit dem Titel „Aufbruch“.

Erneuerbare Energien Energiewende
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