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Ein Tiger blickt aus einem Gebüsch in die Kamera. Copyright: AdobeStock/Kien
30.10.2023

Neue Tigerstaaten auf dem Sprung

Nach dem wirtschaftlichen Aufstieg erster asiatischer Staaten vor rund 50 Jahren trauten Ökonomen mehreren Ländern Südostasiens zu, diesen Erfolg zu wiederholen. Warum blieb der große Durchbruch bislang aus, und was besagt der Blick in die Zukunft?

Ausgangssituation

Tiger sind schnell. Tiger können sehr weit und auch sehr hoch springen. Und: Tiger leben in Asien. Als vor Jahrzehnten erste asiatische Staaten im Eiltempo wirtschaftlich prosperierten, war der Begriff Tigerstaaten schnell bei der Hand. Südkorea war binnen kurzer Zeit dank dynamischer Industrialisierungsprozesse und einer starken Exportorientierung zu einem Industriestaat aufgestiegen. Derweil etablierten sich die damalige britische Kronkolonie Hongkong und der Stadtstaat Singapur als globale Finanz- und Dienstleistungszentren. Alle Tigerstaaten einte ein rasch steigendes Pro-Kopf-Einkommen. Sie folgten damit Japan, das als erstes fernöstliches Land ein derartiges Wirtschaftswunder erlebt hatte.

Als sich Ökonomen damit befassten, welche Schwellenländer in die Fußstapfen der Tigerstaaten treten könnten, richteten sie ihren Blick nach Südostasien. Thailand, Vietnam, Indonesien, Malaysia und die Philippinen galten aufgrund ihres Wirtschaftswachstums als heiße Anwärter. In Erwartung einer steten Weiterentwicklung wurden ihnen als Nachfolger der Tigerstaaten die Namen „Junge Tiger“, „Neue Tiger“ oder „Pantherstaaten“ verliehen. Doch schon 1997 war der Boom zu Ende. Schuld war eine Finanzkrise, die den aufstrebenden Volkswirtschaften förmlich den Boden unter den Füßen wegzog. Zuvor war viel ausländisches Geld in diese Märkte geflossen, einhergehend mit einem Kreditboom. Als der Immobilienmarkt Thailands in Schieflage geriet, konnten Kredite nicht mehr bedient werden. Anleger verloren das Vertrauen und zogen ihre Investitionen ab. Hinzu kamen Währungsspekulationen, die den Kurs der thailändischen Währung einbrechen ließen. Von Thailand aus griff die Finanzkrise auf weitere Staaten über. Hohe Schulden, Bankenpleiten, Firmeninsolvenzen und Arbeitslosigkeit machten sich breit, wobei die Politik des Internationalen Währungsfonds die Notlage eher verschärfte als eindämmte.

Insbesondere Thailand und Indonesien traf die Krise hart. Die Aktienkurse rauschten in den Keller. In nur neun Monaten verloren sie 50 Prozent und mehr an Wert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Thailand sank um 13 Prozent, in Indonesien um zehn Prozent. Malaysia und die Philippinen waren vergleichbar betroffen. So vernichtete die Finanzkrise in der Region viel Kapital. Die zuvor noch mit großen Hoffnungen verbundenen südostasiatischen Staaten waren gezwungen, ihre wirtschaftlichen Strukturen zu überprüfen und ihren Finanzsektor zu reformieren.

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Key Facts

Frontalaufnahme eines rennenden Tigers.
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© AdobeStock/imur

  • Südostasien umfasst zehn Staaten: Thailand, Vietnam, Malaysia, Indonesien, die Philippinen, Kambodscha, Laos, Myanmar, den Stadtstaat Singapur und das Sultanat Brunei Darussalam.
  • Heute bilden diese zehn Staaten auch die 1967 gegründete Association of Southeast Asian Nations (ASEAN). Die Organisation will die politische, ökonomische und kulturelle Zusammenarbeit stärken.
  • Mit 670 Millionen Menschen leben etwa neun Prozent der Weltbevölkerung in der Region.
  • Etwa elf Prozent der weltweiten ausländischen Investitionen fließen nach Südostasien.

Wirtschaftspolitische Weichenstellungen

Die damalige Krise beförderte die Einsicht, regional enger zu kooperieren. Dennoch verpflichteten sich die Staaten der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) erst 2015 dazu, fast alle Zölle für den grenzüberschreitenden Warenverkehr untereinander abzuschaffen. Immerhin war es der ASEAN schon deutlich früher gelungen, Freihandelsabkommen mit China und mit Indien abzuschließen. Auch wenn die Europäische Union (EU) und die ASEAN-Staaten 2022 betonten, enger kooperieren zu wollen, blieb ein Durchbruch bislang aus. Bis heute verfügen lediglich Singapur und Vietnam über eigene Freihandelsabkommen mit der EU. Mit den USA ist bislang einzig Singapur eines eingegangen.

2020 ließ die ASEAN dann aber aufhorchen. Sie vereinbarte mit China, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland die Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP). Die 15 Unterzeichnerstaaten wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit stärken, Zölle reduzieren und Handelshemmnisse abbauen. Konsequent umgesetzt entstünde ein riesiger regionaler Markt, der nicht nur 30 Prozent der globalen Bevölkerung umfasst, sondern auch 30 Prozent des globalen BIP. Die wirtschaftliche Integration der ASEAN-Staaten würde weiter voranschreiten. Manche Experten sehen in der RCEP die Möglichkeit einer stärkeren Arbeitsteilung, im Sinne einer industriellen Spezialisierung einzelner Staaten.

Und nun? Angesichts all der unvorhersehbaren Krisen der letzten Jahre sind Ausblicke mit besonderer Vorsicht zu genießen. Zumal den ASEAN-Staaten bewusst ist, dass sie anfällig für Naturkatastrophen sind und der Klimawandel eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Auch das angespannte Verhältnis der Großmächte China und USA könnte die wirtschaftliche Entwicklung Südostasiens belasten. Dennoch besteht die Chance, dass die Werkbank der Welt zukünftig zumindest teilweise von China nach Südostasien wandert. Zugleich erkennen die Regierungen in der Region die Notwendigkeit – aber auch die Chancen – von Technologisierung und Digitalisierung.

Vielversprechender Ausblick

Die RCEP könnte den „Jungen Tigern“ Vietnam, Thailand, Malaysia, Indonesien und Philippinen jedenfalls einen nachhaltigen Wirtschaftsimpuls geben. Zumal wichtige Kennzahlen positive Signale aussenden. Gemäß des Global Innovation Index von 2022 rangieren alle „Jungtiger“ außer Indonesien deutlich in der oberen Hälfte der 132 bewerteten Staaten. Das Wirtschaftswachstum im ASEAN-Raum erreichte nach dem Coronaschock bereits 2021 wieder 3,4 Prozent. Die Prognosen für die kommenden Jahre liegen darüber. Auch die Inflation stieg selbst im Jahr des beginnenden Ukrainekrieges weniger stark als in vielen westlichen Industriestaaten. Der Anteil der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter liegt bei etwa 70 Prozent. Die Produktionskosten sind nach wie vor niedrig, und eine wachsende Mittelschicht verspricht die Binnenkonjunktur zu beleben. Gleichwohl sind Infrastruktur und Ausbildungsniveau ausbaufähig.

Insgesamt aber überwiegen die positiven Anzeichen: Thailand ist heute für seinen gut entwickelten Fahrzeug- und Maschinenbau bekannt. Vietnam hat sich zu einem wichtigen Produktionsstandort für Textilien, Elektronik und Elektrogeräte gemausert, was zahlreiche internationale Unternehmen angezogen hat. Der Automobilbau könnte hinzukommen. Das G20- Land Indonesien punktet mit seinem Reichtum an Bodenschätzen, die auch für den Bau von Batterien für E-Fahrzeuge wichtig sind. Die Regierung strebt zudem die digitale Transformation der verarbeitenden Industrie an. Auch Malaysia ruht sich nicht auf seinen fossilen Energien aus, sondern produziert Halbleiter für Mikrochips und will ein Hochtechnologieland werden. Die Philippinen positionieren sich als Standort für Outsourcing-Dienstleistungen wie Callcenter und IT- sowie Softwareentwicklung, derweil die Regierung große Infrastrukturmaßnahmen finanziert. Der Boden für den verzögerten Sprung der „Jungen Tiger“, erscheint bereitet.


Dieser Beitrag stammt aus unserem Unternehmensmagazin „ESSENTIAL“, in dem wir kontinuierlich über Trends und Schwerpunktthemen aus unseren Zielindustrien und -märkten berichten. Weitere Beiträge des Magazins finden Sie hier.

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