30.03.2026 | Story

Dichtungsanforderungen für Photovoltaik

Erneuerbare Energien Energieerzeugung

Die Installation und Inbetriebnahme von Solarmodulen – oder auch Solar Panels – hat 2024 und 2025 neue Höchstwerte erreicht. Beim Verzicht auf den Einsatz fossiler Brennstoffe ist die Photovoltaik eines der Kernelemente auf dem Weg in die globale Klimaneutralität. Solar Panels werden inzwischen in jeder Klimazone der Erde und in jedem denkbaren Winkel installiert. Was in diesem Kontext selten Beachtung findet, sind die hier eingesetzten Dichtungslösungen. Ohne sie würden weder die Solarmodule ihre Leistung bündeln können – noch könnte die grüne Energie ins Stromnetz einfließen. Welche Komponenten und Werkstoffe unverzichtbar sind, erfahren Sie hier.

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Photovoltaik Anlage auf einem Feld

Welche Dichtungen werden in Solaranlagen benötigt / eingesetzt?

Große Photovoltaik Anlage auf einem Feld

Solarmodule werden für unterschiedlichste Anwendungen und Einsatzzwecke hergestellt. Dabei wird kontinuierlich an zukunftweisenden Technologien geforscht, um den Wirkungsgrad von Solarzellen zu steigern. Die gängigsten Module sind aktuell Dickschichtoder Dünnschicht-Solarmodule. Diese unterteilen sich in Glas-Glas- oder Glas-Folie-Module. Ob es sich dann um flexible oder semiflexible Solar module handelt – jedes einzelne Modul benötigt unterschiedliche Dichtungen:

Dichtungen für Solarstecker/Verbindungsstecker

Dichtungen für Wechselrichter (Inverter)

  • Kabeleinführungsdichtung EPDM
  • Kabelausführungsdichtungen
  • Gehäusedichtungen

Welche Werkstoffe eignen sich für welche Dichtungsart?

Der Einfluss von UV-Strahlung, Witterungseinflüssen und teilweise extremen Temperaturschwankungen entscheidet darüber, welche spezifischen Werkstoffe für welche Dichtung benötigt werden. Dabei bildet das Einhalten der jeweils geltenden Brandschutzverordnung das verbindende Element bei der Werkstoff-Auswahl.

Auch hier werden die am häufigsten verwendeten Werkstoffe oder Werkstoffklassen aufgeführt:

Werkstoffklasse Silikonverbindungen

Die Fähigkeit, Temperaturwechselzyklen standzuhalten, wie sie beispielsweise im Tag/Nacht oder Sommer/Winter-Verlauf auftreten, macht Silikonverbindungen zur idealen Werkstoff-Gruppe für Solarstecker. Silikon ist ein synthetisches Polymer, das aus Silizium, Sauerstoff und weiteren chemischen Elementen besteht – beispielsweise aus Kohlenstoff oder Wasserstoff. Diese Polymere verfügen über eine Rückgratstruktur aus Silizium- und Sauerstoffatomen, die durch Siloxanbindungen (Si-O-Si) verbunden sind. Bereits das Grundmaterial zeichnet sich durch seine hohe Elastizität und seine gleichfalls hohe Temperaturbeständigkeit aus. Zudem über zeugt es durch seine Widerstandskraft gegen Feuchtigkeit und Chemikalien. Gut zu wissen: die hier eingesetzten Dichtungen erfüllen UL 94 – den Standard für die Sicherheit und Entflammbarkeit von Kunststoffen für Geräte und Anlagen.

Werkstoffklassen EPDM

Beim Einsatz in Außenanwendungen zeichnet sich Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk durch seine langlebige und herausragend hohe Witterungs- und UV-Beständigkeit aus. Mit einer wartungsfreien Lebens dauer von 30 Jahren ist der Werkstoff ideal für Dichtungen in Wechselrichterkonvertern geeignet. Das Ethylen sorgt dabei für die mechanische Festigkeit, das Propylen erhöht die Flexibilität und Widerstandsfähigkeit der Module und der Dien-Monomer-Anteil verbessert die Elastizität und Haltbarkeit der Dichtungen. Die eingesetzten Werkstoffe verfügen über Freigaben nach UL1703 und UL157. Für eine maximale Werkstoff-Performance setzt Freudenberg Sealing Technologies hier das Verfahren der peroxidischen Vernetzung ein.

Mehr zum Werkstoff EPDM

Welches Fertigungsverfahren ist für Dichtungen in der Photovoltaik zukunftweisend?

Das Spritzgießverfahren, auch bekannt als Injection Molding (IM), gilt als das führende Verfahren für die Herstellung elastischer Dichtungen wie O-Ringe für Solarstecker und Verbindungsstecker. Es ermöglicht die Produktion großer Stückzahlen identischer Teile in kurzer Zeit und mit gleichbleibend hoher Qualität. Der Prozess beginnt mit der sorgfältigen Auswahl und Mischung des geeigneten Werkstoffs, beispielsweise Liquid Silicone Rubber (LSR), das bei Bedarf mit funktionalen Zusatzstoffen wie UV-Stabilisatoren ergänzt wird. Anschließend wird das Spritzgieß werkzeug vorbereitet und die Maschine eingestellt, bevor die eigentliche Verarbeitung beginnt.

Während des Spritzgießprozesses wird zunächst das Material dosiert und plastifiziert, um das erforderliche Volumen für die Injektion bereitzustellen. Danach erfolgt die Injektionsphase, in der das Material in das Werkzeug eingespritzt wird, gefolgt von der Vulkanisation unter Temperatur und Druck, die dem Bauteil seine endgültige Elastizität und Formstabilität verleiht. Nach ausreichender Vernetzung wird die Dichtung entformt und in einem weiteren Arbeitsgang nachgeheizt, dem sogenannten Tempern. Dieser Schritt ist entscheidend, um den geforderten Druckverformungsrest zu erreichen und flüchtige Bestandteile aus dem Material zu entfernen.

Abschließend sorgt eine vollautomatisierte, hundertprozentige Sichtkontrolle dafür, dass jede Dichtung die geforderten Geometrien und Oberflächenmerkmale erfüllt und damit einsatzbereit ist. Dieses Verfahren kombiniert Präzision, Effizienz und Qualitätssicherheit und ist damit richtungsweisend für die Fertigung von Dichtungen in der Photovoltaik.

Welche Normen und Verordnungen müssen Dichtungen im Bereich
der Photovoltaik erfüllen?

Bei der Planung und Installation von Photovoltaikanlagen ist ein detaillierter Blick in die gesetzlichen Vorgaben und Rahmenbedingungen unerlässlich. Weltweit gelten spezifische Richtlinien und Sonderregelungen, die beachtet werden müssen. Es folgen Beispiele für Normen und Regelwerke, die unter anderem Vorgaben für den Einsatz von Dichtungen in Photovoltaikanlagen berücksichtigen.

Frage an den Branchen-Experten

Carsten Grauel, Standortleiter bei Freudenberg Sealing Technologies

Carsten Grauel
Standortleiter - Freudenberg Sealing Technologies

Gibt es neue Fertigungsverfahren für Dichtungen im Bereich der Photovoltaik, Herr Grauel?

Carsten Grauel ist Standortleiter bei Freudenberg Sealing Technologies. Er erläutert: „Im Bereich des Spritzgussverfahrens haben wir 2023 das Qualitätsmanagement neu gedacht und am Standort Öhringen eine automatische Sichtkontrolle eingeführt, die durch eine künstliche Intelligenz gesteuert wird. Dieses neue Verfahren der Qualitätssicherung hat sich insbesondere in der Massenfertigung unserer Dichtungskomponenten bewährt. Die automatische Sichtkontrolle hebt unsere Qualitätssicherheit global auf ein neues Level.“

Wo erhalte ich Branchen-News im Bereich der Photovoltaik?

CPIA

China Photovoltaic Industry Association

https://www.chinapv.org.cn/English/list3.html


Fraunhofer ISE

Forschung zu Modulaufbau und Dichtungstechnologien

https://www.ise.fraunhofer.de/en/business-areas.html


PV Magazine International

Mehrsprachige Berichterstattung mit regionalem Fokus

https://www.pv-magazine.com


REN21

Globales Renewable Energy Policy Network

https://www.ren21.net

SEIA

Solar Energy Industries Association; Branchenverband der US-Solarindustrie mit aktuellen News, Marktdaten und politischen Entwicklungen.

https://seia.org


SolarPower Europe

Veröffentlicht den “Global Market Outlook 2025-2029“

https://www.solarpowereurope.org


TaiyangNews

Internationales Newsportal mit Fokus auf asiatische Photovoltaikmärkte, insbesondere China und Indien.

https://taiyangnews.info

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