30.06.2026 | Story

Dichtungsanforderungen entlang der H2-Wertschöpfungskette

Erneuerbare Energien Energieerzeugung

In der Produktion und Verarbeitung, dem Transport und der Speicherung sowie der Nutzung des Wasserstoffs definieren die eingesetzten Medien und Tempera-turen die Anforderungen an die jeweiligen Dichtungslösungen. Hierbei reicht das Spektrum von unterschiedlichen Elektrolyseverfahren über die Kompression und Reinigung über den Transport und die Speicherung im gasförmigen oder flüssigen Zustand (kryogen) sowie in Derivaten wie Methanol oder Ammoniak bis zur Nutzung in Brennstoffzellensystemen (FC – Fuel Cell) oder Wasserstoff-verbrennungsmotoren (H2 ICE – Hydrogen Internal-Combustion-Engine).

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Welche Dichtungsanforderungen gelten entlang der H2-Wertschöpfungskette?

Produktion: Elektrolyseure PEM, AEM, AEL und SOEC

Betriebsparameter und Risiken

Permeation

H2-Permeation erhöht den Verlust des Energieträgers und stellt gleichzeitig ein Sicherheitsrisiko dar. Hier sind Werkstoffformulierungen mit reduzierter Permeabilität wirksam – beispielsweise CIIR (Chlor-Isobuten-Isopren-Kautschuk), HNBR (Hydrierter Nitril-Butadien-Kautschuk), EPDM (Ethylen- Propylen-Dien-Kautschuk) und FKM (Fluorkautschuk). Wichtig ist in diesem Kontext, dass die material-spezifischen Permeations-Koeffizienten der Dichtungen anwendungsspezifisch simuliert und validiert werden.

Explosive Dekompression (RGD)

Überall dort, wo schnell wechselnde Drücke vor-herrschen – beispielsweise im Tank- oder Kompressoren Umfeld – ist der Einsatz von RGD-resistenten Werkstoffen erforderlich. Hierzu gehören unter anderem EPDM, FVMQ (Fluorsilikonkautschuk) und PVMQ (Phenyl Methyl Silikon). Die hier eingesetzten Materialien müssen über eine nachgewiesene RGD-Resistenz bis ≥ 700 bar verfügen.

Medienbeständigkeit

In der PEM-Elektrolyse müssen Dichtungen verdünnter Schwefelsäure und einer kontinuierlichen O2-Exposition standhalten. Zudem müssen hochreine Werkstoffe sicherstellen, dass keine Metallionen- Auslaugung erfolgen kann, die zu einer Ionenkontamination führen könnte.

In der AEL-Elektrolyse müssen Dichtungen einer 20-40-prozentigen Kalilauge standhalten. Zudem herrscht im konventionellen Temperaturbereich (Standard-AEL) eine Betriebstemperatur von 60 – 80 °C, im erhöhten Temperaturbereich (moderne/optimierte AEL) wird mit einer Betriebstemperatur von 80 – 90 °C gearbeitet und in der Hochtemperatur-alkalischen Elektrolyse (Advanced AEL) werden Betriebstemperaturen von 100 – 120 °C erreicht. In Forschungs- und Entwicklungsprojekten steigen die Betriebstemperaturen sogar bis auf 150 °C. Darüber hinaus herrscht hier ein Sauerstoffdruck von 35 – 40 bar. Für Dichtungsmaterialien bedeutet das, dass sie einer starken Oxidation mit daraus folgender beschleunigter Materialalterung ausgesetzt sind. Hier besitzt EPDM eine nachgewiesene Beständigkeit.

Temperaturbeständigkeit

Auch im Bereich der Temperaturbeständigkeit wer-den höchste Anforderungen an die eingesetzten Dichtungs-Werkstoffe gestellt. Die Umgebungsbedingungen reichen von <20 bis 80 °C beim Kaltstart eines PEM-Elektrolyseurs bis zu > 800 °C beim SOEC. Zudem müssen Temperprozesse optimiert werden, um das sogenannte „fuel cell poisoning“ zu vermeiden. Grundsätzlich ist auch die Geometrie der Dichtungen für eine perfekte Performance entscheidend. Sie müssen Druckverformungstests bestehen, die sämtliche Lastfälle inklusive der thermischen Zyklen berücksichtigen.

Werkstoff und Designempfehlungen

PEM-Stacks

  • FKM ist ideal für die O2-Druckbeständigkeit geeignet
  • EPDM/FKM-Formulierungen werden in über-formten Rahmen (Bonding-Systeme) für die robuste Montage und Dichtheit eingesetzt.
  • Gut zu wissen: es gibt integrierte Stack-Rahmen- Dichtungen (L-/C-Querschnitt), die die Barrierewirkung unter Betriebsdruck verbessern. Bei der Montage hat der Querschnitt eine neuartige L-Form. Sobald der Elektrolyseur in Betrieb ist, steigt der Druck in seinem Inneren und aktiviert die Dichtung, die dann eine C-Form annimmt. So wird der Kontaktdruck der Dichtung erhöht und macht sie zu einer verlässlichen Barriere für Gase und Flüssigkeiten.

AEM-Stacks

  • Hier liegt der Fokus auf Materialreinheit und Membranverträglichkeit
  • EPDM bewährt sich beim Einsatz in der alkalischen Umgebung der AEM-Stacks

AEL-Stacks

  • PTFE (Polytetrafluorethylen) und ePTFE-Dichtungen (expandiertes PTFE) halten dem anspruchsvollen Dauerkontakt mit Sauerstoff und Kaliumhydroxid stand.
  • EPDM ist eine nachhaltige Alternative bei geeigneten Rahmenbedingungen.

Verarbeitung: Kompression, Reinigung und Aufbereitung

Komponenten und Parameterräume

Kolbenkompressoren (H2)

Kolbenkompressoren arbeiten in einem Druckbereich von 50-500 bar sowie 350–1000 bar. Dabei haben kleine Aggregate ein Lebensdauerziel von mehr als 1000 Stunden und große Aggregate sollen zwischen 8000 und 24000 Stunden volle Leistung erbringen. Die hier eingesetzten Dichtungssysteme (Kolben-ringe, Stangendichtungen, Packungen) müssen verschleißarm und absolut dicht sein und können dabei bereits auf den Einsatz von PFAS verzichten.

Scrollverdichter (Kompressoren und Vakuum-pumpen)

Scroll-Kompressoren und Scroll-Vakuumpumpen arbeiten in Druckbereichen von 1 – 2 bar und in einem Temperaturbereich von -35–110 °C. Klassisch werden hier Scrolldichtungen (Tip Seals) aus speziellem PTFE eingesetzt. Der Trend geht jedoch dahin, nach alter-nativen PFAS-freien Werkstoffen zu suchen.

Tribologie und Verschleiß

Um den reibungsbehafteten Wechselwirkungen zwischen den Oberflächen der Kompressoren, Reinigungs- und H2-Aufbereitungs-Prozessen optimal entgegenzuwirken, werden umfassende Prüfmethoden eingesetzt, die die Reibkoeffizienten sowie die lineare Abnutzung unter realistischen Bedingungen testen und optimieren. In diesen Einsatzbereichen zeigen die faserverstärkten Thermoplaste PEEK (Polyetheretherketon) und PPS-Compounds (Hochleistungsthermoplaste) eine niedrige Reibung und bieten damit eine verschleißarme Performance.

Transport und Speicherung: Gas, LH2 und Tankstellen

Komponenten und Parameterräume

Gas und Hochdruckspeicher

Für diese Elemente der H2-Wertschöpfungskette gelten die Anforderungen aus dem UN-Regelwerk R134 hinsichtlich der sicherheitsrelevanten Eigen-schaften von mit Wasserstoff und Brennstoffzellen betriebenen Fahrzeugen (HFCV) und Komponenten. Hier werden O-Ringe, Stützringe und Ventilstößel aus EPDM, FKM und NBR (Acrylnitril-Butadien-Kautschuk) eingesetzt, die über eine nachgewiesene RGD- Beständigkeit (Rapid Gas Decompression) verfügen.

H2-Flüssiggastransport bei -253 °C (kryogen)

Hier ist von entscheidender Bedeutung, dass die eingesetzten Werkstoffe und Beschichtungssysteme auch bei sehr niedrigen Temperaturen duktil bleiben. Deshalb benötigen Magnetsysteme und Kupplungen wasserstoffkompatible Oberflächen, die sich einer Versprödung (Embrittlement) bestmöglich wider-setzen.

Tankstellen und Betankung

Schnell wechselnde Druckprofile charakterisieren die Umgebungsbedingungen an Wasserstoff-Tankstellen und während der Betankung. Auch hier werden RGD-sichere Elastomere eingesetzt, die eine geringe Permeation sicherstellen. Für den reibungslosen Betrieb der Anlagen sollten regelmäßige Wartungsintervalle festgelegt werden.

Nutzung: Brennstoffzelle und Wasser-stoff-Verbrennungsmotoren (H2-ICE)

Komponenten und Parameterräume

Brennstoffzellen – AFC, PEMFC, PAFC, DMFC, MCFC, SOFC

Zum aktuellen Zeitpunkt werden die obigen sechs Arten von Wasserstoff-Brennstoffzellen global ein-gesetzt. Sie unterscheiden sich in den verwendeten Gasen, den Elektrolyte-Arten, der Betriebstemperatur sowie ihrem Leistungsvermögen und können an unterschiedliche Anforderungen angepasst wer-den. Die Betriebstemperaturen von LT-PEMFC liegen zwischen 60–80 °C, HT-PEMFC zwischen 120–180°C, PAFC arbeitet mit 160–220 °C, MCFC arbeiten mit 620–650 °C und SOFC mit 800–1000 °C. Hier werden Stack-Dichtungen aus EPDM, FCPO, FKM und LSR eingesetzt. Dabei sind die jeweiligen Werkstoffe nach folgenden Eigenschaften auszuwählen: ihrem Compression Set, ihrer Permeation sowie ihrer Medienbeständigkeit.

Gut zu wissen: um eine optimale Lebensdauer und Leistungsfähigkeit der Brennstoffzellen zu erreichen, verbessern integrierte Dichtungen an der Grenzfläche zwischen der Bipolarplatte und der Gasdiffusionslage den Abtransport von Flüssigwasser aus den Reaktionszonen.

Wasserstoff-Verbrennungsmotor (H2-ICE)

Der große Vorteil bei der Fertigung von H2-Verbrennungsmotoren liegt in der robusten Technologie sowie der schnellen Markteinführung. Gleichwohl müssen für den sicheren Betrieb dieser Antriebssysteme die folgenden Herausforderungen gelöst werden: NH3-Ausgasung, der Einsatz von Schmiersystemen sowie die Abnormale Verbrennung (Abnormal Combustion). Für die Wahl der passenden Dichtungssysteme muss zwingend der vorherrschende Temperaturbereich sowie das Zusammenspiel aller oben genannten Medien beachtet werden.

Welche Dichtungen werden wo benötigt?

  • Grundfunktionen und Einsatzorte im Stack

    Rahmen- und Flachdichtungen werden zwischen den Zellrahmen und den Bipolarplatten eingesetzt. Sie dienen zur Gas- und Elektrolytabdichtung, zur elektrischen Isolation, zur Druckhaltung sowie zur Reinheitssicherung der sogenannten H2/O2 Trennung. Typischerweise werden die Dichtungen als Elastomer-Formteile gefertigt – beispielsweise aus EPDM oder FKM. Insbesondere in alkalischen Umgebungen wer-den aktuell auch Flachdichtungen aus PTFE und ePTFE verwendet.

    Sub- und Rand-Dichtungen sowie Dichtungen auf dem Substrat sind randnahe Abdichtungen rund um die Membranelektrodeneinheit (MEA) herum sowie auf Kunststoffrahmen und Metallplatten. Für diese Dichtungen gibt es eine Vielzahl an Varianten: Dichtungen an Kunststoffrahmen, Dichtungen an Bipolar-platten und lose Dichtungen, die entweder randver-klebt, umspritzt oder eingepresst werden. Zudem werden hier O-Ringe und extrudierte Dichtungsprofile eingesetzt. Die Auswahl richtet sich immer nach dem Automatisierungsgrad, dem zur Verfügung stehenden Bauraum und der Flächenpressung sowie den Vorgaben zur Lebensdauer der eingesetzten Komponenten.

    Im PEM-Stack kommen auch Hochdruck-Spezialdichtungen (PEM) zum Einsatz. Diese Dichtungen sind beispielsweise Nut-geklemmt und mit Halte-Features versehen. Sie haben einen L-zu-C-aktivieren-dem Querschnitt, um die sichere Positionierung und Druckaktivierung bei steigenden Stack-Drücken zu gewährleisten.

    Technologieabhängige Auswahlkriterien

    Im PEM-Elektrolyseverfahren herrscht ein pH-Wert von 4–6, die Sauerstoff-Seite ist oxidativ, der Temperaturbereich liegt bei 60–120 °C und es herrschen Drücke bis 35 bar. Hier empfiehlt sich der Einsatz von FKM aufgrund seiner niedrigen H2-Permeation sowie seiner O2-Oxidations- und Temperaturbeständigkeit an der Stack-Seite. An Stellen mit geringer Schraubenlast und hohem Reinheitsbedarf wird üblicherweise PTFE eingesetzt. Wichtig ist es, bei der Montage auf höchste Sauberkeit zu achten, um die Ionenauslaugung zu minimieren.

    In der AEL- und AEM-Elektrolyse definieren Kalium-hydroxid-Lösungen von 3–30 Prozent, Temperaturen von 60–150 °C und Drücke bis 35 bar die Anforderungen an eingesetzte Dichtungslösungen. Hier dominieren die Werkstoffgruppen EPDM auf-grund ihrer KOH-Beständigkeit und PTFE/ePTFE aufgrund ihrer Chemikalienbeständigkeit. Die elektrische Isolation kann gegebenenfalls über zusätzliche Rahmen oder über den Einsatz des geeigneten Dichtmaterials optimiert werden.

    Wesentliche konstruktive Empfehlungen

    • Klemmkraft gegen internen Druck abwägen. Dichtungsrillen (Sealing Groove) stellen einen Kraft-Bypass dar und reduzieren die Überpressung und Extrusion gegenüber flanschflächenbündigen Flachdichtungen.
    • Profilierte Elastomer-Querschnitte senken die erforderliche Schraubenlast deutlich – im Gegen-satz zu sogenannten Plattengeometrie (slab geometry)
    • Finite Elemente-Analyse (FEA) und Prüfungen zur Bestätigung der Toleranz- und Druckfestigkeit durchführen.
    • Frühzeitig an die Dichtung denken und die Dichtungen vor dem Festlegen des Bipolarplatten- Werkzeugs einplanen. Entschieden werden muss über die Geometrie, das geeignete Material, die Reinheit, respektive Auswaschung (Leaching) sowie der mögliche Automatisierungsgrad.
    • Gut zu wissen: Standardteile reichen selten und applikationsspezifische Compounds und Designs sind die Regel.
  • Kompressoren

    In Kolben- und Membrankompressoren werden Packungsdichtungen aus mit Grafit gefülltem PTFE eingesetzt. Für die Leckagereduktion an Stangen und Wellen kommen berührungsarme Labyrinthdichtungen zum Einsatz und Stützringe (Back-up-rings) aus PEEK werden als Extrusions-Schutzvorrichtungen bei hohen Drücken eingesetzt.

    In Turbo- und Zentrifugalkompressoren bewähren sich berührungslose Trockengasdichtungen (Dry Gas Seals) aufgrund ihrer geringen Leckagerate und langen Standzeiten.

    Grundsätzlich gilt: die Material- und Designkombination der eingesetzten Dichtungslösungen ist ausschlaggebend für die Performance der Verdichtungsprozesse.

    Pumpen und Pumpen-Peripherie

    Hier werden Gleitringdichtungen entsprechend der Prozessmedien eingesetzt. Zudem werden Stopfbuchspackungen aus Grafit bei rotierenden Aggregaten benötigt. Die Dichtungen halten Wasser und Kühlmitteln sowie Kalilauge und CO2-haltigen Strömen stand. Grafit-Packungen und -Laminate bewähren sich auch bei höheren Temperaturen und Drücken.

    Speicherung und Transport

    Neben der Permeation definieren Temperaturen zwischen -40 und +85 °C und bis zu 105 MPa die Umgebungs-Parameter für komprimierten gas-förmigen Wasserstoff. Je nach Medium und Temperatur werden hier Coverseals, O-Ringe und O-Ring/Backring-Kombinationen aus EPDM, FKM und HNBR eingesetzt. Zudem kommen hier Feder energisierte PTFE Lippendichtungen sowie Metalldichtungen zum Einsatz.

    Die Speicherung und der Transport von flüssigem Wasserstoff (LH2) erfolgt bei –253 °C im kryogenen Zustand. In diesem Temperaturbereich sind Elastomere ungeeignete Werkstoffe. Bevorzugt eingesetzt werden Metall und Kunststoffdichtungen aus PTFE.

    Rohr- und Fitting-Schnittstellen müssen ultradicht, hochrein und hochdruckfest abgedichtet werden. Hier kommen Edelstahl und Nickel-Legierungen in Form von VCR®-Verbindungen und Metall-Gleitringdichtungen (Metall-Face-Seal) zum Einsatz. Auch Konus/Gewindeschrauben (Cone & Thread) sind ideal für sehr hohe Drücke geeignet. Sie sind metallisch dichtend und diffusionsarm.

  • Dichtungslösungen für Power-to-X-Prozesse (PtX)

    Synthesen und Medien

    Bei den unterschiedlichen Verfahren zur Herstellung von Ammoniak (NH3), Methanol, E-Fuels sowie der Methanisierung (CO/CO2) herrschen teilweise hohe Temperaturen und Drücke sowie korrosive Umgebungen. Hier kommen statische Hochleistungsflachdichtungen zum Einsatz. In den stark korrosiven Prozessabschnitten werden PTFE-basierte Dichtwerkstoffe benötigt. Zudem bewähren sich hier spiralförmig gewickelte Dichtungen (Spiral Wound), Kammprofile und flexibles Grafit in Form von Grafit-laminaten.

    Werkstoffauswahl

    Die PtX-Relevanz der eingesetzten Werkstoffe ergibt sich vor allem aus der Prozesschemie: Grafit ist auch bei hohen Temperaturen chemisch beständig. PTFE und modifiziertes PTFE (PTFE/mod) weisen eine universelle Chemikalienbeständigkeit sowie gute Kriech- und Setzwerte in Spezialqualitäten auf.

  • Anforderungen und Standards

    ISO 19880-1:2020 definiert die Mindestanforderungen an die Auslegung, den Betrieb, die Inspektions- und Servicemodalitäten an Wasserstofftankstellen, die über H35 und H70 Zapfventile verfügen. An den Tankstellen ist ein Betanken mit einer Vorkühlung bis -40 °C innerhalb weniger Minuten möglich.

    Ventile und Sicherheitselemente für H70-Zapfventile

    ISO 19880-3 definiert die geltenden Prüf- und Sicher-heitsanforderungen für Rückschlag- , Überström-, Absperr- und Sicherheitsventile sowie die Nottrenn-kupplungen (Breakaways). Hier sehen die Dicht-konzepte häufig metallische Dichtelemente sowie RGD-robuste Hochleistungs-Elastomere vor.

    Dispenser-Schläuche und Kupplungen

    ISO 19880-5 und ANSI/CSA HGV 4.2 definieren die international geltenden Sicherheits-Anforderungen an Hochdruck-Schläuche mit niedriger Permeation, die bei -40 °C eingesetzt werden. Hier werden bevor-zugt metallisch dichtende Dichtstellen verwendet.

Gibt es eine Übersichtstabelle für Applikationen und typische Einsatzgebiete sowie passende Werkstoffklassen und Dichtungsdesign?

Jetzt ja – und zwar zur Fragestellung: welche Dichtungsdesigns optimieren die Sicherheit, Langlebigkeit und Effizienz der gesamten Wasserstoff-Prozesskette? Genau so dynamisch, wie sich die Technologien im Bereich der Wasserstoff-Erzeugung entwickelt haben, befindet sich auch die Lernkurve für Werkstoffe und Dichtungsdesigns in einer steilen Aufwärtsbewegung. Viele bewährte Werkstoffe haben sich durch Spitzenleistungen in der Werkstoff-Forschung und spezielle H2-Dichtungsdesigns zu hochsicheren Präzisions-Dichtungen weiterentwickelt. Durch neue Produktions- und Prüfverfahren werden sie kontinuierlich nachhaltiger, langlebiger und leistungsstärker. Welche Kombination ist besonders zu empfehlen?

H₂ Anwendungen – Dichtungslösungen
Applikation Typische Einsatzbedingungen Werkstoffklasse und Dichtungslösung
PEM Elektrolyseur – Stack (O₂ Seite) pH-Wert 4–6 (reines Wasser, ggf. leicht sauer)
T < 60–150 °C
p bis ~35 bar
hohe Oxidations- und Sauberkeitsanforderungen
FKM als Stack-Dichtung (O₂-Beständigkeit, niedrige H₂-Permeation)
Seal on Plastic oder Metal Frame/Plate
Seal on Bipolar Plate (Overmolding)
PEM Elektrolyseur – Hochdruckdichtung Hohe interne Drücke, sichere Nutposition
Aktivierung unter Last
Innovative Dichtungsprofile (L-Shape) mit Halte-Features (Press-in-Place – PIP)
oder auf einen Träger aufgespritzt (Overmolding)
AEL und AEM Elektrolyseur – Stack (KOH-Umgebung) 3–30 wt.% KOH
T < 60–150 °C
p bis ~35 bar
elektrische Isolation je nach Aufbau
Dichtungen aus EPDM mit Halte-Features (PIP) oder Overmolding
PTFE-Flachdichtungen oder Folien mit geringer Kriechneigung
Elektrolyseur – Peripherie und Flanschverbindungen Niedrige Schraubenlast, Reinheit
elektrische Isolation, variable Temperatur/Druck
EPDM und FKM O-Ringe
PTFE-Flachdichtungen
CGH₂ Speicherung und Transport (Tanks und Leitungen) T ≈ -50…+85 °C
p bis ~105 MPa
Permeation minimieren
O-Ringe (EPDM/FKM/HNBR je nach Medium und Temperatur)
Kunststoff-Backup-Ringe (z. B. PEEK)
Ultra-High Purity und Hochdruck-Verbindungen UHP-Anforderungen (rein, diffusionsarm)
Vakuum, sehr geringe Leckage
VCR® Metall-Face-Seals (Edelstahl/Ni-Legierungen)
Metall-zu-Metall-Dichtungen für UHP-Leitungen
H₂ Kompressoren – Kolben und Membran Hoher Druck, dynamische Bewegung
Verschleiß, Leckageminimierung
Packungsdichtungen (PTFE gefüllt, Grafit)
Labyrinthdichtungen, PEEK-Backups
H-Kompressoren – Zentrifugal Kontinuierliche Rotation
hoher Speed, energiearme Abdichtung
Dry Gas Seals (non-contact)
sehr geringe Leckage
Pumpen und Armaturen in PtX Prozessen Korrosive Medien, hohe Temperatur/Druck
wechselnde Lasten
Mechanische Gleitringdichtungen, Grafit-Packungen
Spiral-Wound/Kammprofile, PTFE je nach Medium
PtX-Synthesen (NH₃, Methanol, E-Fuels) Aggressive Chemie, thermische Zyklen
hohe Drücke
Graphitlaminate / Spiral-Wound
modifiziertes PTFE
Gewinde und Verschraubungen (Peripherie) Bis 100% H₂, sicherer Leckageschutz Hydrogen ready Gewindedichtungen (z. B. LOCTITE 55)
Werkstoffverhalten – Auswahlhinweise Permeation (H₂ diffundiert stark)
RGD bei schnellen Druckwechseln
FKM tendenziell niedrigere H₂-Permeation als EPDM/NBR
HNBR/FKM/FFKM zeigen bessere RGD-Beständigkeit
Profilquerschnitte/Sealing Grooves reduzieren Montagekraft und Extrusion

Der Wasserstoffregenbogen

Wasserstoff ist nicht gleich Wasserstoff. Obwohl er eigentlich farblos ist, unterscheiden wir ihn in verschiedene Farbklassen – und die richten sich nach der Herstellung. Ob grün, grau oder gelb: Wir erklären, was dahintersteckt.

Welche Werkstoffe eignen sich für welche Dichtungsart?

Die Werkstoffwahl folgt immer dem Medium-Temperatur-Druck-Zyklus und bezieht die Lebensdauer und Reinheit ein. Die folgende regelbasierte Orientierung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Elastomere für O-Ringe, Rahmen- und Formdichtungen sowie Profile

EPDM: KOH- und Wasserbeständig, gute Tief-temperaturflexibilität; für AEL/AEM und die Peri pherie im Elektrolyseumfeld; hat eine höhere H2-Permeation als FKM. Vorsicht ist geboten bei direktem Sauerstoffkontakt.

FKM: O2-Oxidations und Temperaturstabil; bestän-dig gegen deionisiertes Wasser (DI-Wasser) und saure Umgebungen; für PEM-Stacks sowie Periphe-rie-Ventile und -Sitze; niedrige H2-Permeation. Für Anwendungen mit Druckschwankungen stehen RG-robuste Werkstoffe zur Verfügung.

HNBR/NBR: gute mechanische Festigkeit; wird verbreitet für Gase eingesetzt; ölbeständig. Für Anwendungen mit Druckschwankungen stehen RGD robuste Werkstoffe zur Verfügung.

FFKM: maximale Chemikalienbeständigkeit; für den Einsatz in kritischen PtX-Schritten und hohen Temperaturen geeignet.

Fluorpolymere und Thermoplaste für Flachdichtungen, Dichtlippen und Back ups

PTFE und ePTFE sowie modifiziertes PTFE: nahezu universell chemikalienbeständig; neigen zum Kriechen (Creep), im Krafthauptschluss zu platz-ieren; geringe Permeation. Damit sind sie ideal für KOH, CO2 sowie Flanschdichtungen in Stacks und Armaturen geeignet.

PEEK: ideal geeignet für Back-up Ringe und Spring Energizer. Diese Thermoplaste verfügen über eine hohe Steifigkeit und Temperatur-Festigkeit. Gleichzeitig bilden sie einen guten Extrusionsschutz bei Hochdruckanwendungen.

    Welche Dichtungsgeometrien werden wo in der Wasserstofftechnologie benötigt?

  • Hier erfolgt die Auswahl je nach dem Grad der Montage-Automatisierung, den Stückzahlen, der Flächenpressung sowie der Toleranzlage. Grundsätzlich kommen hier Dichtungsprofile für Rahmen und Bipolarplatten, PIP, O-Ringe und extrudierte Profile zum Einsatz. Dabei senken profilierte Elastomer-Querschnitte den Montageaufwand. In der PEM-Elektrolyse bieten Hochdruck-Geometrien mit Halte-Features und druckaktivierenden Querschnitten eine optimale Performance.
  • In diesen Einsatzbereichen liegt der Fokus auf spiral-gewickelten Dichtungen und Kammprofilen aus Grafitlaminat. Zudem werden PTFE Flachdichtungen für hohe Temperaturen und Drücke sowie für korrosive Medien eingesetzt.
  • Hier sorgen metallische Dichtungsprofile mit hoher Formgenauigkeit für optimale Dichtungsleistungen. VCR® Metalldichtungen und RTJ-, C- und E-Ringe sorgen für eine minimale Leckage- und Permeationsrate.
  • Kontaktfreie Trockengas-Dichtungsprofile sind bewährte Dichtungslösungen für diese Kompressorenart.
  • Hier kommen Packungen, Labyrinth-Dichtungen und PEEK Back ups zum Einsatz.
  • In diesen Einsatzbereichen dominieren Federenergisierte PTFE Lippendichtungen für Hochdruck und Niedrigtemperatur-Umgebungen.
    Sie werden ergänzt durch EPDM-, FKM- und HNBR-Profile mit Back-ups.
  • Für diese Einsatzorte eignen sich metallische, PTFE-sitzende Ventile, die die Norm ISO 19880-3 erfüllen sowie Schlauchsysteme, die bei Temperaturen bis zu -40 °C einsetzbar sind.

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