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battery storage
30.06.2020

Speicher statt Straße

Ausrangierte Akkus von Elektrofahrzeugen müssen nicht gleich recycelt oder gar entsorgt werden. Ihre noch vorhandene Speicherfähigkeit macht sie für ein zweites Leben als stationäre Energiespeicher interessant.

Anfang 2019 gab es weltweit 5,6 Millionen Elektrofahrzeuge. Schenkt man der Internationalen Energieagentur IEA Glauben, dann werden in zehn Jahren bereits 125 Millionen Fahrzeuge elektrisch angetrieben. Damit einhergehend wird die Anzahl gebrauchter Elektrobatterien in die Höhe schnellen. Angesichts dieser Aussicht könnte man nun ein Elektroschrott-Problem am Horizont heraufziehen sehen. Schließlich funktioniert das ebenso energie- wie arbeitsintensive Recyclingsystem noch alles andere als überzeugend. Man könnte die Abermillionen von gebrauchten Antriebsbatterien jedoch auch als Chance begreifen.

BMW nutzt in seinem Leipziger Werk inzwischen bis zu 700 Batterien aus seinem i3-Modell als Energiespeicher.

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Gemeinsam stark: Die stationären Speichersysteme decken den Energieverbrauch von 5.000 Haushalten.

 

Nach zehn Jahren noch lange kein altes Eisen

Und genau dies tun erste Unternehmen. Ein Lithium-Ionen-Akku gewährleistet rund ein Jahrzehnt lang den Antrieb eines Elektrofahrzeugs. Im Zuge dessen sinkt seine Speicherkapazität allmählich auf rund 80 Prozent ab. Für den anspruchsvollen Einsatz auf der Straße lässt ihn das zunehmend unbefriedigend erscheinen. Als stationärer Energiespeicher käme er allerdings noch infrage, und zwar – wie Prognosen nahelegen – über einen Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren.

Der japanische Solarpark Hikari-no-Mori griff bereits 2013 diesen Ansatz auf und setzt auf 16 gebrauchte Lithium-Ionen-Akkus als Energiespeicher, die zuvor Leaf-Modellen von Nissan entnommen worden waren. Als Zwischenspeicher unterstützen sie die Netzstabilität. Droht ein Energie-Engpass, geben sie den gespeicherten Solarstrom ins Netz ab. Kommt es hingegen zu Lastspitzen, wird die Energie dort geparkt. Eine derartige Weiterverwendung von E-Akkus verbessert deren Umweltbilanz. BMW nutzt in seinem Leipziger Werk inzwischen bis zu 700 Batterien aus seinem i3-Modell als Energiespeicher. In ihm wird die für die Produktion gewonnene Windenergie zwischengespeichert und im Bedarfsfall gar ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Audi wiederum hat gebrauchte Elektrobatterien derart neu zusammengebaut, dass sie Flurförderzeuge in ihren Werkshallen antreiben, kostensparender Effekt inklusive.

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Second life: Batterien aus i3-Modellen versorgen das Werk in Leipzig.

Energiespeichersystem in einer Fußballarena

Derweil lässt ein Projekt in den Niederlanden aufhorchen. In der Johan Cruijff ArenA, der modernen Heimstätte des Fußballklubs Ajax Amsterdam, sind seit zwei Jahren gebrauchte und neue Batteriezellen von Nissan zu einem riesigen Akku zusammengeschlossen, dessen Leistung drei Megawatt entspricht. Der Speicher dient als Notfallversorgung und reduziert den Einsatz der üblichen Dieselgeneratoren. Über mindestens eine Stunde ist das System imstande, die 55.000 Zuschauer fassende Arena mit Energie zu versorgen. Fernab von Veranstaltungen speichert der Akku die auf dem Stadiondach gewonnene Solarenergie und gibt diese bei Bedarf ins kommerzielle Stromnetz ab, was Erlöse generiert.

„The Mobility House“, ein Technologieunternehmen mit Sitz in München sowie Standorten in der Schweiz und Kalifornien, ermöglicht mit seinen intelligenten Lade- und Energielösungen den Betrieb des neuartigen Energiespeichersystems in der Amsterdamer Arena. Die Münchener kooperieren mit weiteren Autoherstellern, die den Brückenschlag zum Energiemarkt suchen. Mit der Daimler AG etablierten sie einen Batteriespeicher für die Stabilisierung des Stromnetzes auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks, allerdings aus rund 2.000 fabrikneuen Batteriemodulen. Der Hintergedanke bei diesem neun Megawatt Leistung erzeugenden Speichersystem ist ein anderer: Die neuen Module dienen nicht nur als Speicher, sondern auch als lebendes Ersatzteillager. Sind in einem Smart fehlerhafte Batterien zu ersetzen, kann der Autobauer sich bei den Modulen des Batteriespeichers bedienen.

Gemeinsam mit Renault und anderen Firmen hat „The Mobility House“ den Bau von stationären Speichersystemen in Frankreich und Deutschland angekündigt. Sie sollen zusammen eine Kapazität von 60 Megawattstunden erreichen. Das standardisierte und in Containern untergebrachte, rund 2.000 Batterien umfassende System, soll eine Energiemenge zwischenspeichern, die dem täglichen Energieverbrauch von 5.000 Haushalten entspricht.

Batteriezellen von Nissan liefern bis zu einer Stunde Strom für 55.000 Zuschauer in der Johan Cruijff ArenA

Second Life als flexible Powerbank

Im Gegensatz dazu befasst sich Volkswagen intensiv mit der Weiterverwendung gebrauchter Lithium-Ionen-Batterien als Stromtankstelle. Auf diese Weise helfen ehemalige Elektrobatterien ihren noch im Einsatz befindlichen Nachfolgern als Powerbank auf die Sprünge. In diesem Jahr soll die Serienproduktion der Ladesäulen in Gang kommen, die entweder ans Stromnetz angeschlossen oder mobil eingesetzt werden kann. Etwa bei Musikfestivals. Die Ladesäulen sind für den jeweiligen Einsatzzweck skalierbar. Sobald die Energie in den mobilen Säulen zur Neige geht, sollen die Batterien ausgetauscht und in einem Service-Park aufgeladen werden. Erst wenn sie für diesen Einsatz nicht mehr taugen, werden sie recycelt.Das Second Life von Elektrobatterien hat das Potenzial, nicht nur die Elektromobilität nachhaltiger werden zu lassen, sondern auch die Energiewende zu unterstützen.

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