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solar car
28.07.2020

Here Comes the Sun

Die Solarenergie hat sich inzwischen als Teil des Energiemixes etabliert. Denkt man jedoch bei Fahrzeugantrieben an Alternativen, dann spielt die Sonne bislang im Grunde genommen keine Rolle. Das könnte sich bald ändern.

Im Herbst 2005 ließ eine Nachricht aus Australien aufhorchen. Bei der achten Auflage der „World Solar Challenge“ hatte das Siegerauto soeben eine Schallmauer durchbrochen. Das futuristische Gefährt aus den Niederlanden hatte den fünften Kontinent mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von über 100 km/h durchquert. Der einzige Sprit dabei: das Sonnenlicht. Im Vergleich zum Siegerauto bei der Premierenveranstaltung im Jahr 1987 bedeutete das erzielte Tempo eine Steigerung um über 53 Prozent. Das bewies, dass in der Sonne ganz schön viel Kraft steckt. Das zeigte aber insbesondere: Die Tüftler und Ingenieure hatten es verstanden, noch mehr aus ihren Autos herauszuholen. Mehr aus den Solarzellen, mehr aus dem verbauten Material, mehr aus der Aerodynamik, mehr aus der Batterie und mehr aus dem Motor.

Eine Serienproduktion ab 2021 ist in greifbare Nähe gerückt

Rundum sonnig: Der Sion verfügt rundum über Solarzellen. Bei Sonnenschein soll die Reichweite so um 34 Kilometer verlängert werden. © Sono Motors GmbH

Bedingt straßentauglich

Wer die Solarmobile des prestigeträchtigen Wettbewerbs betrachtet, dem dürften allerdings Zweifel kommen, ob in der Technologie ein markttauglicher alternativer Antrieb steckt. Um die Fahrzeuge fortzubewegen, sind reichlich Zugeständnisse zu machen. So müssen in erster Linie sehr leichte Materialien verbaut werden. Um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, ist eine futuristische Stromlinienform Trumpf. Bedenkt man dann, dass zumeist lediglich der Fahrer Platz in den High-Tech-Fahrzeugen findet, dann wirken sie schnell als das, was sie tatsächlich sind: Forschungsobjekte. Bei einem Gesamtgewicht von um die 300 Kilogramm kommen zudem ernsthafte Sicherheitsbedenken auf. So darf es nicht verwundern, dass sich jenseits solcher Wettbewerbe bislang noch kein Solarauto als sonderlich tauglich für den Straßenverkehr erwiesen hat.

Solarzellen satt

Und dennoch glauben einige Autobauer an die Chancen der Solartechnologie. Sie sehen sie dabei jedoch viel mehr als Unterstützung denn als alleinigen Antrieb. Wie das aussehen kann, das demonstriert das Münchner Start-up Sono Motors. Über die gesamte Karosserie des Prototypen Sion verteilen sich 248 Solarzellen. Sie befinden sich gut geschützt unter einer glasklaren Polycarbonat-Schicht und decken eine Fläche von 7,5 Quadratmeter ab. Ein integriertes System sorgt dafür, dass jede Zelle eine möglichst optimale Leistung liefert, je nach Sonnenstand.

Lass die Sonne rein!: Der Lightyear One vereint auf seiner Karosserie fünf Quadratmeter Solarfläche. Sie soll pro Sonnenstunde zwölf Extra-Kilometer ermöglichen. © Lightyear

Auf diese Weise soll der Sion imstande sein, täglich bis zu 34 Kilometer nur durch die Kraft der Sonne voranzukommen … vorausgesetzt natürlich diese scheint und das Auto parkt nicht im Schatten. Die Gesamtreichweite von etwa 255 Kilometer erreicht das Elektroauto ganz klassisch über den Tankvorgang aus der Steckdose. Das Konzept des Alltagswagens scheint zu überzeugen. Anfang des Jahres sammelten die Gründer 53 Millionen Euro per Crowdfunding ein, was eine Serienproduktion ab 2021 in greifbare Nähe rücken lässt. Der Sion soll bis zu 140 km/h schnell sein und etwa 25.000 Euro kosten.

Für gehobene Ansprüche

Das Prinzip, die Reichweite eines Elektroautos dank Sonnenenergie zu erhöhen, verfolgt auch ein niederländischer Hersteller. Im Gegensatz zu Sono Motors verortet sich Lightyear jedoch im Premium-Segment. Mit dem Verkauf ihrer aus Aluminium und Carbon gefertigten Limousine Lightyear One wollen sie 2021 starten. Da das Coupé deutlich über 100.000 Euro kosten soll, dürfte das futuristische Auto aber nur eine kleine Käuferschicht ansprechen. Wie beim Sion bedecken die Solarzellen große Teile der Karosserie: in diesem Fall das Dach und die Motorhaube. Jede Stunde, die der Lightyear One dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, erhöht die Reichweite um 12 Kilometer. Ganz ohne diesen zusätzlichen Sprit strebt das batteriebetriebene Modell eine stolze Reichweite von 725 Kilometern an. Die Niederländer wollen noch mehr und nehmen bereits solarunterstützte Elektrovans und -busse in den Blick.

Der Kreis schließt sich

Im Gegensatz zum Sion, der als kompakter Mini-Van konzipiert ist, wirkt der Lightyear One optisch weit weniger konventionell. Mit seiner windschnittigen Form, dem weit nach hinten gezogenen Heck und den verkleideten Hinterrädern erinnert das Auto rudimentär an die Modelle, die auch an der World Solar Challenge teilnehmen. Und dieser Eindruck täuscht nicht. Hinter den Machern von Lightyear stecken ehemalige Studenten und Mitarbeiter der Technischen Universität Eindhoven. Sie haben schon mehrmals mit Fahrzeugen in der Cruiser-Klasse des prestigeträchtigen Wettbewerbs teilgenommen und diese auch gewonnen. Die Cruiser-Klasse erlaubt das Zuladen von Strom aus der Steckdose und besteht aus Fahrzeugen, die mehrere Passagiere aufnehmen. Das zeigt: Die Forschungsarbeit, die im Rahmen der World Solar Challenge in die Solarflitzer gesteckt wird, hat offenbar doch das Zeug, den Sprung in den Automobilmarkt zu schaffen. Wenngleich nicht als astreines Solarauto.

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