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Drei Kinder sitzen um einen Tisch und basteln an einem kleinen Roboter. Copyright: iStock: M_a_y_a

Android an der Tafel

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Pädagogik lebt von Empathie, Kreativität und sozialen Beziehungen. Können Roboter hier eine sinnvolle Rolle spielen? Durchaus, und zwar in unterschiedlichen Rollen, vom Vokabeltrainer bis zum Sitznachbarn. Wie Roboter nicht nur den Schulalltag, sondern auch die Bildung verändern.

„Das machst du großartig“, lobt Lehrer Elias den Schüler. Dabei leuchten seine Augen. Allerdings in einer ungewöhnlichen Farbe: in Neonblau. Und auch seine Stimme klingt etwas blechern. Denn Elias heißt mit Nachnamen „Robot“ und ist kein Mensch. Wortwörtlich auf Augenhöhe mit seinen Schülern befindet sich der armlange mechanische Lehrer nur, wenn er auf dem Lehrerpult steht. Der humanoide „Elias Robot“ unterrichtet seine finnischen Grundschüler als Co-Lehrer in Englisch. Er übt mit ihnen Vokabeln oder motiviert sie zum Sprechen. Wenn es sein muss, tanzt er sogar den Gangnam Style.

Der Roboter schafft für die Schüler einen sicheren Raum. Er verurteilt keine Fehler.

Faszination als positiver Effekt

Humanoide Roboter beherrschen schon heute sehr vieles, was von einem Lehrer erwartet wird: zuhören, erklären, diktieren, loben oder korrigieren. Es ist ihnen möglich, leibhaftig vor der Klasse zu stehen und den Unterricht zu leiten. Die Faszination am Roboter kann sogar einen positiven Effekt auf die Schüler haben. Roboter sind auch durchaus in der Lage, Gefühle zu erkennen und darauf zu reagieren. Dass es trotzdem nur Maschinen sind, die selbst weder fühlen noch urteilen, schafft für die Schüler einen sicheren Raum: Es ist nicht so wichtig, wer sie sind – es zählt, was sie imstande sind zu tun. Der Roboter verurteilt auch keine Fehler.

„Elias Robot“ allerdings fungiert dabei idealerweise nicht als Lehrer, sondern als Tutor und begleitende Unterstützung. Der Roboter des finnischen Unternehmens Utelias Technologies übt beispielsweise mit einzelnen Schülern Vokabeln. Der Vorteil: Während der Roboter mit fitteren Schülern auf Englisch parliert, kann sich der Lehrer auf die Schüler konzentrieren, die mehr Betreuung brauchen. Lehrer können sich die Unterstützung durch Roboter also zunutze machen und gewinnen so mehr Raum für individuelle Förderung. Nachteilig wird es nur dann, wenn die Faszination dazu führt, dass die Klasse den Roboter eher als Spielzeug oder Kumpel wahrnimmt und dadurch die Lernziele aus dem Fokus geraten.

 

Roboter im Klassenraum

Elias Robot

Der Sprachenlern-Roboter „Elias“ basiert auf seinem humanoiden Vorgänger „Nao“. Dieser ist vor allem in Bildung und Forschung bereits ein Standard. Das Software-Unternehmen Utelias Technologies hat mit Elias eine Version entwickelt, die darauf spezialisiert ist, Kinder zu unterrichten. Elias beherrscht mehr als 20 Sprachen und ermöglicht einen Austausch in Echtzeit.

AV1

Der Roboter von No Isolation vertritt Kinder, die sich wegen einer Langzeiterkrankung im Krankenhaus oder zu Hause befinden. Durch seine Sensoren sitzen die Schüler virtuell mit im Klassenzimmer und können auch kommunizieren. Das soll dabei helfen, Anschluss an Schule und soziales Leben zu halten.

OVObot

Das finnische Startup OVObots hat den Lernroboter speziell für den Mathematik-Unterricht entwickelt. Er stellt Aufgaben und reagiert mit sofortigem Feedback. Dazu erkennt er individuelle Fähigkeiten von Kindern.

Roboter-Sitznachbar stärkt Selbstvertrauen

Der Roboter als Freund und Kommilitone – genau das kann aber auch das Konzept sein: Wenn der Roboter einen ähnlichen Wissensstand hat wie die Schüler, begibt sich die Klasse gemeinsam auf eine Lernreise: Der Schüler unterrichtet dann den Roboter. Pädagogen wissen, wie gut Erklären dabei hilft, den Lerninhalt zu verinnerlichen – und obendrein das Selbstvertrauen stärkt. Auch aus medizinischer Perspektive kann ein Roboter-Mitschüler förderlich sein: Ist ein Schüler schwer erkrankt oder leidet unter einer Immunschwäche, kann der Roboter ihn in der Klasse vertreten. Das Kind steuert von zu Hause, kann durch eine Kamera Lehrer und Mitschüler sehen – und mithilfe von Lichtsignalen und Sprachfunktion sogar kommunizieren. Die digitale Verbindung ermöglicht es, am Lehrstoff dranzubleiben und den Anschluss ans soziale Leben und an Freunde zu behalten. „AV1“ heißt dieser Roboter des norwegischen Unternehmens „No Isolation“.

Der "AV1": Ein Roboterkopf auf einem Lautsprecher genügt, um Schüler am Unterricht teilhaben zu lassen. Der "AV1" macht es möglich. © Keine Isolation: Estera K. Johnsrud

Roboter in der Pädagogik können aber sogar noch früher anfangen als in der Schule: So stehen Eltern von Kindergartenkindern in Singapur vor einer kniffligen Entscheidung: Schicken sie ihr Kind lieber dorthin, wo die Kinder mit dem Robotertelefon „Robohon“ und dem Roboterastronauten „Kirobo“ spielen können – oder doch lieber ins „R2D2-Lab“, das „In3LABS“ oder die Roboto Academy? Eine Webseite im südostasiatischen Stadtstaat präsentiert sogar „die zehn besten Roboterklassen“ für Kinder. Die klare Ansage: Robotik kann man nie früh genug lernen. Mit dem „Kibo Robot“ beispielsweise lernen Vier- bis Siebenjährige, ihren eigenen Roboter zusammenzubauen und ihn durch das Aneinanderstecken von Holzklötzen zu programmieren. Spielerisch entwickeln die Kinder dabei ein Grundverständnis für Technologie – und noch viel mehr, wie die Kibo-Erfinderin Marina Umaschi Bers argumentiert. Die Wissenschaftlerin vergleicht Programmieren mit einem Spielplatz: Kinder können Dinge ausprobieren und selbst kreieren.

Programmieren ab der Grundschule?

Zusätzlich arbeiten sie mit anderen im Team und entwickeln dadurch Charakterstärke. Deshalb spricht sich Bers sogar dafür aus, Programmieren schon in der Grundschule zu unterrichten – neben Rechnen, Lesen und Schreiben. Teilweise steht Robotik in weiterführenden Schulen weltweit bereits auf dem Stundenplan.

In der finnischen Schule von Roboterlehrer Elias hat mittlerweile sein Kollege übernommen. Er besitzt eine eiförmige Gestalt und ist ebenfalls sehr schnell als Roboter zu erkennen: „Was ergibt 67 plus 52?“, fragt der „Ovobot“ genannte Roboter. Wie eine Eule steht er auf dem Tisch der Arbeitsgruppe und schaut seine Schüler mit großen Augen an. Auf seinem Display leuchtet die Rechenaufgabe. Der Ovobot basiert auf Spracherkennung. Er stellt Fragen und vergibt Punkte, je nachdem, wie gut die Schüler antworten. Lehrer können ihn für kleine Gruppen einsetzen, die Wiederholungen brauchen, und gleichzeitig unterrichten. Einen Tanz allerdings hat der Mathe-Roboter leider nicht im Programm.


Dieser Beitrag stammt aus unserem Unternehmensmagazin „ESSENTIAL“, in dem wir kontinuierlich über Trends und Schwerpunktthemen aus unseren Zielindustrien und -märkten berichten. Weitere Beiträge des Magazins finden Sie hier.

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