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Ropes
18.02.2021

Wie global bin ich?

Kaum ein Staat verschließt sich vollständig gegenüber der Weltgemeinschaft. Doch wie stark sind einzelne Länder überhaupt globalisiert, und wie lässt sich das messen?

Was glauben Sie? Welches Land gilt als am stärksten globalisiert? Die Wirtschaftsmacht China? Mitnichten. Das Reich der Mitte liegt abgeschlagen auf Position 80. Die Weltmacht USA? Nein. Sie schafft es nur auf Platz 23. Dann vielleicht ein aufstrebender Stadtstaat und Finanzplatz wie Singapur? Schon besser. Aber auch der Tigerstaat erreicht lediglich Rang 20. Stattdessen thront in einer 197 Staaten umfassenden Rangliste ein Land ganz oben, das weder über eine Millionenstadt noch über einen Hochseehafen verfügt: die Schweiz.

Viel mehr als nur Ökonomie

Nachzuschlagen sind diese Erkenntnisse im Ende 2019 veröffentlichten Globalisierungsindex der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Die Erstellung des 2002 erstmals erschienenen und jährlich neu aufgelegten Index obliegt der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH. Bei ihren Untersuchungen arbeiten die Wissenschaftler nicht mit topaktuellen Daten. So basiert etwa der letztjährige Index auf Daten des Jahres 2017. Die Folgen der aktuellen US-Politik und die Auswirkungen des Brexits lassen sich folglich noch nicht ablesen. Was den KOF Globalisierungsindex von zahlreichen anderen Globalisierungsranglisten unterscheidet, ist die ihm zugrunde liegende Methodik. Die Schweizer erliegen nicht der Versuchung, lediglich wirtschaftliche Rahmendaten zugrunde zu legen. Für sie springt dieser oft gewählte Ansatz deutlich zu kurz. Sie beleuchten den Grad der Globalisierung anhand von drei Komponenten: ökonomisch, sozial und politisch. Für diese ziehen sie 42 Variablen zurate, die sie verschieden gewichten. Ökonomisch betrachtet weist Singapur im 2019er Index die besten Werte auf. Bei der sozialen Globalisierung schneidet Luxemburg am besten ab, während unter politischen Gesichtspunkten Italien die Nase vorn hat.

Der KOF Globalisierungsindex

Three icons social, political an econimic globalisation

De facto und de jure: Die KOF bewertet jeden der drei Aspekte anhand faktisch erzielter Daten (de facto) und die sie umrahmenden regulatorischen Bestimmungen (de jure).

Ökonomische Globalisierung: Zum Beispiel Handel von Gütern und Dienstleistungen, Zölle, Steuern, Handelsbeschränkungen, Auslandsinvestitionen, Investitionsbeschränkungen, Offenheit der Kapitalbilanz, Investitionsabkommen.

Soziale Globalisierung: Unter anderem Visarestriktionen, Zugang zum Internet, Tourismusströme, Geschlechtergleichheit, Migration, Pressefreiheit, Registrationen internationaler Markenrechte, Bildungsstand, Hochtechnologiehandel, internationale Flughäfen, Studenten und Patentanmeldungen, Bürgerrechte, McDonald’s-Restaurants und IKEA-Häuser.

Globalisierung: Vor allem Zahl der Botschaften und internationaler Nichtregierungsorganisationen, Mitgliedschaft in internationalen Organisationen, Abschluss internationaler Verträge, Teilnahme an UN-Friedensmissionen.

Europa dominiert

Am Ende bestimmt der Mix aus allen drei Ranglisten den Grad der Globalisierung. Und hierbei dominiert der alte Kontinent. Unter den 15 Topplatzierten finden sich ausnahmslos europäische Staaten. Außer der Schweiz und Norwegen sind sie allesamt Mitglieder der wirtschaftlich, sozial und politisch eng verflochtenen Europäischen Union. Auch Großbritannien als Gesamtfünfter zählte zum Zeitpunkt der Datenerhebung noch zur EU. Erst auf den Rängen 16 und 20 folgen mit Kanada und Singapur außereuropäische Staaten. Was ebenfalls auffällt: Unter den Top 20 sind überwiegend kleinere Länder. 14 von ihnen haben um die zehn Millionen Einwohner oder weniger. Die Wissenschaftler der KOF erklären das wie folgt: „Aufgrund ihrer stärkeren Verflechtung, beispielsweise mit Nachbarstaaten, sind kleine Länder tendenziell stärker globalisiert als große Länder. Bei Letzteren findet ein Großteil des Austausches innerhalb des Landes statt.“ Doch wie lässt sich nun die Spitzenposition der Schweiz begründen? Die Autoren heben die hohe Außenhandelsquote des Landes mit seiner exportorientierten Chemie- und Pharmaindustrie hervor. Daneben spiele die Schweiz als Bankenplatz im globalen Finanzwesen eine prominente Rolle. Durch zahlreiche internationale Holdinggesellschaften, die ihren Sitz in der Schweiz haben, sei das Land ebenfalls „eng mit dem Ausland verflochten“. Zudem punkte das mehrsprachige Land mit seiner kulturellen Vielfalt, einem hohen Einkommensniveau und seiner geografischen Lage im Herzen Europas. Schlussendlich residieren viele internationale Organisationen in der Schweiz (36 davon allein in Genf), etwa die Welthandelsorganisation und das Internationale Rote Kreuz. Das für seine Neutralität bekannte Land hat sich demnach international überaus gut und breit aufgestellt.

Kleine Länder sind tendenziell stärker globalisiert als große Länder.

Global Cities

Während die KOF die Globalisierung von Staaten unter die Lupe nimmt, widmen sich andere Studien den Städten. Sie gelten als agil und haben somit gute Chancen, in kürzerer Zeit spürbare Globalisierungsfortschritte zu erzielen. Die international tätige Unternehmensberatung A.T. Kearney erhebt seit einem Jahrzehnt den Global Cities Index. Dieser bewertet Wirtschaftsaktivität, Humankapital, Informationsaustausch, Kulturangebot und politisches Engagement. Am besten schnitten 2019 New York und London ab. Der britischen Hauptstadt sprechen die Autoren gar – trotz Brexit-Ungewissheiten – die besten Zukunftsaussichten zu; vor Singapur. London stelle nach wie vor „ein begehrtes Ziel für ausländische Direktinvestitionen“ dar und überzeuge auch und gerade bei Innovationen, Wirtschaftskraft sowie Governance. Mit Prof. Greg Clark sekundiert ein renommierter Stadtexperte. Schon nach der Weltfinanzkrise 2008 sei es London ihm zufolge gelungen, Talente, Investoren und Besucher aus aller Welt anzulocken. Das führte mitunter zur Herausbildung neuer Technologie- und Wissenschaftsindustrien. Wenn man so will, dann ist London, von wo aus das Empire Gestalt annahm, erneut der Nabel der Welt. Ob dies irgendwann auch wieder für Großbritannien gilt? Die nächsten KOF Globalisierungsindizes werden es zeigen.


Dieser Beitrag stammt aus unserem Unternehmensmagazin „ESSENTIAL“, in dem wir kontinuierlich über Trends und Schwerpunktthemen aus unseren Zielindustrien und -märkten berichten. Weitere Beiträge des Magazins finden Sie hier.

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