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10.11.2020

Globalisierung - Wohin geht die Reise?

Globalisierung am Scheideweg: Das Jahr 2020 demonstriert, wie sehr wir alle weltweit vernetzt sind – und wie fragil Lieferketten sein können. Aber ist dies das Ende der Globalisierung? Oder die Evolution zu etwas Neuem? Wohin geht die Reise? Ein Essay über das Wesen der Globalisierung, ihre Chancen und ihre vielschichtigen Facetten.

Das Jahr 2020 hat das Thema Globalisierung erneut in den Fokus gerückt und eine Diskussion darüber entfacht, wohin sie steuert. Vielleicht auch: wohin wir Menschen sie steuern. Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Deshalb lohnt sich ein Blick darauf, was eigentlich hinter dem Begriff „Globalisierung“ steckt. Noch in den 1980er Jahren benutzte fast niemand diese Bezeichnung. Erst seit Anfang der 1990er Jahre wird der Begriff zunehmend gebräuchlich. Aber bedeutet das, dass es die Globalisierung erst seit rund 30 Jahren gibt?

Globaler Diskurs: In dem Schweizer Bergdorf Davos trifft sich jedes Jahr das Who‘s who aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Ihr Credo: Miteinander reden, einander verstehen und so die Welt verbessern. © World Economic Forum

Mitte der 1970er Jahre lässt sich erstmals im großen Stil beobachten, dass Firmen Produktionsstandorte in anderen Ländern eröffnen. Die Gründe waren damals meist andere als heute. Es ging für viele Unternehmen um Marktzugang und Ressourcen, heute vielfach um niedrigere Produktionskosten und günstigere Löhne. Freudenberg richtete übrigens schon 1960 seinen Blick auf Japan und begann mit der Nippon Oil Seal Industry Company (NOK) in Tokio eine enge Partnerschaft. Weniger um Kosten zu sparen, sondern es sollten Märkte erschlossen und neue Technologien entwickelt werden. Zur gleichen Zeit haben wir auch unsere Produktionsstrukturen in Brasilien auf- und ausgebaut. Dabei ging es uns vor allem um Lieferketten, auch wenn man das zu dieser Zeit noch nicht so genannt hat. Das Unternehmen wollte unabhängiger werden von langen und nicht selten unzuverlässigen Schiffstransporten. Man könnte das Phänomen der Globalisierung übrigens zeitlich auch noch früher verorten: Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum Beispiel, als sowohl amerikanische Produkte als auch die amerikanische Massenkultur ihren Siegeszug um die Welt antraten. Oder bereits im 19. Jahrhundert, als das Dampfschiff, die Gefrierkühlung und der Telegraf komplett neue Möglichkeiten des internationalen Handels eröffneten. Oder steckt der Grundgedanke der Globalisierung nicht bereits in der Tatsache, dass die Europäer vor 500 Jahren so energisch auf der Suche nach einem Weg waren, um direkt mit China und Indien zu handeln? Wohlgemerkt gab es in Asien zu diesem Zeitpunkt bereits eine florierende Handelswelt, an der die Europäer unbedingt teilhaben wollten.

Globalisierung ist eine Chance. Sie nimmt einzelne Menschen und ganze Gesellschaften mit in eine bessere Zukunft.

Claus Möhlenkamp, Chief Executive Officer, Freudenberg Sealing Technologies

Die Erkenntnis also ist nicht neu, dass über die Kontinente hinweg gegenseitige Abhängigkeiten und Verbindungen bestehen. Wir vernetzen uns über den Globus hinweg nicht einfach nur, weil Erfindungen wie Flugzeug und Internet das ermöglichen. Wir vernetzen uns, weil wir offenbar gegenseitige Vorteile im internationalen Handeln und Austausch sehen.

Erweiterter Horizont: 32 Prozent der Firmenchefs der weltweit größten Unternehmen verbrachten mindestens ein Semester im Ausland. ©istockphoto: Rattankun Thongbun

Im globalen Wissens- und Wirtschaftsaustausch geht es heute um Wertschöpfung, Rohstoffe und Kompetenzen. Diese Entwicklung hat seit den 90er Jahren, als wie erwähnt der Begriff „Globalisierung“ geprägt wurde, eine andere Dynamik gewonnen. Exemplarisch lässt sich das an der europäischen Wirtschaftszone sehen, aber auch andere globale Entwicklungen wie der Abbau von Zollschranken haben das bestärkt: Es entstanden immer mehr bilaterale und multilaterale Organisationen. Und es entstand der Wunsch, sich auf Standards zu einigen, um einen noch unkomplizierteren Austausch von Waren und Dienstleistungen zu ermöglichen.

Dreht sich das Rad der Globalisierung zurück oder holt es neuen Schwung?

So haben sich Industriestandards verbreitet und im Zuge dessen auch Umweltstandards und noch viel wichtiger Standards zur Arbeitsorganisation beziehungsweise -sicherheit. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Warum auch? Die Art und Weise, wie Politik, Wirtschaft und vor allem Forschung und Wissenschaft 2020 – nach anfänglichen Schwierigkeiten – weltweit gemeinsam auf die Pandemie reagiert, sich ausgetauscht und gemeinsame Forschungsprojekte initiiert haben, ist nur ein Beispiel dafür, was durch Kooperation und Vernetzung heute möglich ist. Globalisierung ist eine Chance. Sie nimmt einzelne Menschen und ganze Gesellschaften mit in eine bessere Zukunft. Dass wir nach dem Zweiten Weltkrieg, seit nunmehr 75 Jahren, in Europa weitgehend in Frieden leben – auch dazu hat die Globalisierung beigetragen. Sie schafft Transparenz für Fortschritt und Innovation, ermöglicht Verständigung und hat das Potenzial, Konflikte zu bewältigen und Lösungen zu finden für Probleme, die grenzenlos sind. Das gilt für die Bekämpfung eines Virus genauso wie für den Kampf gegen den Klimawandel.

Frieden, Wohlstand und Wachstum sind aber dennoch in unserer globalen und vernetzten Welt nicht selbstverständlich. Jeder Einzelne, Gesellschaften und Unternehmen müssen selbst Einfluss nehmen und den Wandel aktiv mitgestalten. Positiv ist, immer mehr Menschen haben Zugang zu Bildung, Gesundheitsvorsorge und wirtschaftlicher Teilhabe. Es müssen aber auch negative Entwicklungen korrigiert werden. Wir müssen eine neue Balance zwischen gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Entwicklungen finden. Das gelingt nur mit einer großen, vernetzten Staatengemeinschaft. Denn die Vergangenheit hat gezeigt, wirtschaftlicher Fortschritt und neue Technologien haben mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet. Der Buchdruck, der Webstuhl, das Fließband, der Computer. All diese technischen Neuerungen haben letztlich den Wohlstand der Menschen gefördert.

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