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10.05.2021

(Un)endlich - alles ausgeschöpft?

Ressourcen sind endlich. Oder etwa nicht? Schier unendlich sind die Ideen, dem Ressourcenmangel zu begegnen. Durch Alternativen, andere Prozesse, durch Recycling oder Verzicht. In dieser Ausgabe schauen wir mit einem unverbrauchten Blick auf die Ressourcenfrage.

Wer als Mensch am Rande eines großen Waldes steht oder am Ufer eines gewaltigen Sees, kann sich schwer vorstellen, dass all dieses Holz, all dieses Wasser endlich sein soll. Als „unendlich weite Landschaft“ beschreiben wir Ausblicke, die weitergehen als unser Auge reicht, der Ausblick von einem Berg oder auf eine Wüste. Auch wenn wir wissen, dass wir den Begriff hier eigentlich falsch verwenden. Die Größe unseres Planeten ist für den menschlichen Verstand schwer fassbar. Für scheinbar unendliche Mengen wiederum gibt es die Redewendung „wie Sand am Meer“. Der Ausdruck stammt aus der Bibel, ist also knapp zwei Jahrtausende alt. Heute verbrauchen wir jedes Jahr 50 Millionen Tonnen Sand. Der unendliche Sand, er wird knapp. Küsten und Flüsse erodieren. Ähnlich ist es mit dem Wasser: Fast zwei Drittel der Weltbevölkerung leiden mindestens einen Monat im Jahr an Wasserknappheit. Und seit 1950 ist ein Fünftel der weltweiten Wälder abgeholzt.

Schätze der Natur: Marmor war bereits in der Antike ein gefragtes Material. Erfolgte der Abbau damals in Handarbeit, so verrichten dies heute Maschinen, wie hier im türkischen Denizli.

Das alles hat wiederum sehr viel mit der Menge an Menschen zu tun, die unsere Erde bevölkern. Aktuell sieben Milliarden. Bereits für 2050 erwarten die Vereinten Nationen, dass die Weltbevölkerung auf knapp zehn Milliarden anwachsen wird. Es scheint, als reiche unser Planet nicht für alle aus. Denn Ressourcen sind endlich.

Oder?

Die Situation, wie wir sie im 21. Jahrhundert vorfinden, hat zweifellos historische Ausmaße. Aber Ressourcenknappheit selbst ist gar nicht so neu. Viele Gesellschaften waren im Laufe der Geschichte immer wieder mit dem Problem konfrontiert. So galt lange Zeit die Insel Pantelleria als spannendes Forschungsfeld für Archäologen, die sich fragten, warum ausgerechnet hier schon seit Tausenden von Jahren Menschen siedelten – obwohl es kaum Wasser gibt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Bewohner Zisternen anlegten und Regenwasser auffingen. Denn: Ressourcenknappheit macht erfinderisch. Ähnlich wie bei den Sumerern, die vor sechstausend Jahren sogar eine Hochkultur auf der Idee begründeten, eine trockene Landschaft zu bewässern, und Wasser aus dem Euphrat auf ihre Felder leiteten. Nachhaltig war diese Idee allerdings nicht, auch wenn sich das erst im Laufe der Jahrhunderte bemerkbar machte: Durch die Verdunstung versalzten die Böden und wurden unbrauchbar. In Mitteleuropa kamen im 15. Jahrhundert erstmals Städte auf die Idee, Wälder aufzuforsten, weil der Holzbedarf der vorindustriellen Metallverarbeitung Unmengen von Holzkohle verschlang. Und in Mittelamerika wurde um dieselbe Zeit Silber mithilfe von Quecksilber geschürft, um Wasser und Holz zu sparen. Auch das war nicht nachhaltig, vor allem für die Gesundheit der Arbeiter.

Fast zwei Drittel der Weltbevölkerung leiden mindestens einen Monat im Jahr an Wasserknappheit.

Die Beispiele zeigen: Ressourcenmangel brachte Menschen schon immer dazu, neue Wege einzuschlagen. Knapper werdende Güter effizienter zu nutzen. Der Begriff „endlich“ ist also relativ. Manchmal stellt sich heraus, dass Reserven länger reichen als ursprünglich angenommen. Oder es hilft, die Perspektive zu verändern: Wie wichtig ist der Rohstoff tatsächlich? Gibt es Alternativen? Allein die Beispiele von Wasser und Holz zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten sein können: Rohstoffe lassen sich durch andere ersetzen, Prozesse sich verändern oder Werkzeuge neu erfinden. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, einen Rohstoff wiederzuverwenden. Und es stellt sich immer auch die Frage: Wie viel Konsum brauchen wir wirklich? Können wir uns vielleicht einschränken?

Grüne Insel: Irland verbrauchte jahrhundertelang seine Ressource Holz. Die früher zu 80 Prozent bewaldete Insel war schon vor 350 Jahren nur noch zu 2,5 Prozent mit Wald bewachsen. Das Holz diente dem Bau von Schiffen und Fässern sowie der Holzkohlegewinnung für das Eisen- und Glashandwerk.

Das alles gilt auch für unsere Gegenwart. Auf die seit Langem angekündigte Knappheit von Öl reagiert die Welt mit alternativen Energien, mit batterieelektrischen Antrieben und der Brennstoffzelle, aber auch mit neuen Fördertechniken und einem sparsameren Einsatz fossiler Brennstoffe. Bisweilen stellen wir fest, dass Parameter sich ändern können: Zum Beispiel reichen die Prognosen zur Weltbevölkerung noch über das bereits erwähnte Jahr 2050 hinaus – und sagen voraus, dass steigender Wohlstand auch zu deutlich sinkenden Geburtenraten führen könnte und damit langfristig sogar zu einer schrumpfenden Bevölkerung. Das allein löst nicht alle Probleme. Aber es eröffnet neue Wege.

Im Übrigen kann selbstverständlich auch menschliche Arbeitskraft eine Ressource sein – die in einigen Regionen der Welt bereits knapp wird. Genauso wie es an immateriellen Ressourcen fehlen kann, wie Zeit oder Aufmerksamkeit. Das Jahr 2020 hat uns eindrucksvoll vor Augen geführt, woran unerwartet Mangel herrschen kann: von medizinischer Ausrüstung bis hin zum Toilettenpapier ‒ oder menschlicher Nähe. Wir halten fest: Der Mangel an Ressourcen lässt sich sehr häufig bewältigen und ausgleichen. Nicht immer sofort. Und selten ohne Anstrengung oder Verzicht. Aber oft führt Knappheit erst zu Innovation – und damit zu wirtschaftlichem Fortschritt. Mangel ist eine Herausforderung, die kreatives Potenzial freisetzt. Haben wir wirklich alles ausgeschöpft? Alle Möglichkeiten? Manche Rohstoffe mögen endlich sein. Eindeutig unendlich hingegen ist die Quelle an Ideen und Innovationen zur Problemlösung. Die Vielfalt an sozialen, technischen oder wirtschaftlichen Weiterentwicklungen. Dazu wollen auch wir, Freudenberg Sealing Technologies, beitragen. Die aktuelle Ausgabe der ESSENTIAL soll gleichzeitig Inspiration und Ansporn sein.

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