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28.04.2020

Straßenlaterne 2.0

Wer nachts durch städtische Wohngebiete fährt, der sieht am Straßenrand ein Auto nach dem anderen parken. Anwohner mit Elektroauto müssen sich gut überlegen, wie sie es ohne eigenen Stellplatz aufladen können. London verfolgt einen cleveren Ansatz.

Viele Besitzer eines Elektroautos setzen darauf, ihr Fahrzeug über Nacht in der eigenen Garage oder an einem Stellplatz vor ihrem Haus aufzuladen. Gerade in Städten verfügen viele jedoch über keine solche Möglichkeit. Eine Tatsache, die sich für die Förderung der Elektromobilität als Hemmschuh erweisen kann. Und das just in Ballungszentren, die ohnehin schon unter einer erhöhten Luftverschmutzung leiden. Damit Städter auf Stromer umsatteln, sind pfiffige Lösungen gefragt.

Bessere Luftqualität

Die britische Metropole London lässt in dieser Hinsicht aufhorchen. Ihr Bürgermeister Sadiq Khan möchte mit der Kampagne „Let London Breathe“ die Luftqualität spürbar verbessern, indem der Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr forciert und auch das Radfahren gestärkt werden soll. Doch auch die Elektromobilität wird dabei nicht außer Acht gelassen. Inzwischen kommen im Zentrum Londons rund 300 Straßenlaternen einer weiteren Aufgabe nach: Sie dienen als Ladestationen für E-Autos. Das Westminster City Council zeichnet für diese clevere Umbaumaßnahme verantwortlich, die auf der Basis der vorhandenen Infrastruktur möglich ist. Für die Realisierung des Vorhabens hat sich das Council mit Siemens und dem Berliner Start-up Ubitricity zwei Partner ins Boot geholt. Ubitricity hat bereits in der deutschen Hauptstadt erste Straßenlaternen umgerüstet.

Ein Straßenzug ist bereits vollständig umgerüstet

London beherbergt inzwischen den ersten Straßenzug Großbritanniens, dessen Laternenpfosten vollständig als Ladestationen zur Verfügung stehen. Die 24 Laternen der rund einen Kilometer langen Sutherland Avenue im Herzen Londons können somit mehr als nur Licht abgeben und machten sie zur sogenannten „Electric Avenue“. Zwei benachbarte Straßen sollen in diesen Wochen nachziehen. Das eröffnet Hauptstädtern ohne privaten Ladeanschluss völlig neue Möglichkeiten. Umso mehr, als das Angebot konsequent ausgebaut werden soll. Innerhalb des nächsten Jahres will das Westminster City Council mehr als 1.000 Laternen umgerüstet haben. Mit diesem Ansatz trifft es einen Nerv. Eine Siemens-Untersuchung ergab, dass immer noch zwei von fünf Briten vom Kauf eines Hybrid- oder Elektroautos zurückschrecken, weil es zu wenige Lademöglichkeiten gibt.

Ausreichend Strom und einfacher Bezahlvorgang

Die Umrüstung in London erfolgt ohne ersichtliche Veränderung der Straßenlaterne. Lediglich ein kleines blaues Licht und eine dezente schwarze Buchse weisen sie als Ladesäule aus. Der Anschluss erfolgt somit direkt im Pfosten ohne weiteren Aufbau. Wer sein Fahrzeug über Nacht an einer umgerüsteten Straßenlaterne auflädt (denn dann wird bislang am meisten Gebrauch von dem Angebot gemacht), der soll damit übrigens 200 bis 300 Kilometer weit fahren können. Im Stadtverkehr mehr als ausreichend. Damit der Plan nicht am Bezahlvorgang scheitert, gibt es Ansätze, diesen unkompliziert und kundenfreundlich zu gestalten. So wird über eine Ladekarten-Funktion im Auto nachgedacht. Eine im Auto verbaute Software authentifiziert das Fahrzeug an der Ladesäule, erfasst die Stromabnahme sowie den daraus resultierenden Preis und veranlasst direkt den Bezahlprozess. London wählt einen anderen Weg. Der Autobesitzer scannt einen an der Laterne angebrachten QR-Code und aktiviert damit ein zuvor angelegtes Ladekonto oder er gibt seine Bezahldaten auf einer sich öffnenden Mobilseite an. Geladen wird dann zu einem Festpreis. Nutzt der Fahrer zum Laden das SmartCable von Ubitricity, dann startet der Ladeprozess ohne weitere Schritte sofort, die Abrechnung erfolgt monatlich. London entwickelt sich somit zu einem Pionier bei der Erweiterung seiner Ladeinfrastruktur. Über ganz London hinweg haben Siemens und Ubitricity inzwischen rund 1.300 Laternen umgerüstet. Eine für viele Autofahrer im wahrsten Sinne des Wortes naheliegende Lösung.


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