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Canoo Cars
09.07.2020

Ein Loft auf Rädern

Mit einem Auto, das man nicht kaufen kann, will ein Startup aus Kalifornien Begeisterung für Elektromobilität wecken und benzindurstige SUVs aus den Städten drängen. Überhaupt hat der avantgardistische Elektro-Van Canoo nicht mehr viel mit einem herkömmlichen Auto gemeinsam.

Der Canoo sieht aus wie eine Fusion aus VW Bully und iPhone: schwarzglänzend, kompakt, mit abgerundeten Konturen. Kreuzförmig gestaltete Front- und Heckleuchten geben ihm einen Roboter-Look. Ähnlich wie der legendäre Volkswagen-Bus ist er mit seiner steil abfallenden Front nahezu symmetrisch konstruiert. Im Innern unterscheidet er sich aber grundlegend davon. Statt sich in abgeteilte Sitzreihen zu zwängen, machen es sich die Passagiere einander gegenüber auf umlaufenden Polsterbänken gemütlich, die eher Sofas sind als Autositze. Von seinen Entwicklern wird der Canoo als „Loft auf Rädern“ beschrieben, das mit Elektroantrieb umweltfreundlich und leise durch die Stadt rollt.

Dreifach innovativ: Canoos Design, Technik und Abo-Modell trifft den Nerv von Großstädtern.

Aus der alten „Autowelt“ in die Zukunft

Das Unternehmen heißt genauso wie sein Fahrzeug und erklärt, was es mit dem Namen auf sich hat: „Ein Kanu ist ein einfaches, nachhaltiges Transportmittel, das seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt genutzt wird. Wir haben es ausgewählt, weil es unverwechselbar klingt, cool aussieht und ein Gefühl von Entspannung und Bewegung auslöst. Und wie ein Kanu bietet unser Fahrzeug alles, was man braucht und verzichtet auf Überflüssiges.“

Gegründet wurde das Elektro-Startup im Dezember 2017 in Kalifornien von einer Gruppe deutscher Manager aus der „alten“ Automobilwelt, darunter Ulrich Kranz und Stefan Krause (vormals BMW). Später stieß der ehemalige Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hinzu. Ihre Ausgangsfrage war: „Wie gelingt es, Elektrofahrzeuge bei Stadtbewohnern zu etablieren, als leicht zugängliche und sinnvolle Alternative?“ Sie setzten auf Innovation in drei Bereichen: Design, Technik und Nutzungskonzept. Canoo Design-Chef Richard Kim erklärt das Leitmotiv: „Wir haben die Bauhaus-Philosophie umgesetzt, die auf Minimalismus und Funktionalität ausgerichtet ist, und alles auf das absolut Notwendige reduziert. Diesen Ansatz haben wir auch auf nahtlose Konnektivität mit dem Gerät übertragen, das Kunden am wichtigsten ist – ihrem Smartphone.“

Wie gelingt es, Elektrofahrzeuge bei Stadtbewohnern zu etablieren, als leicht zugängliche und sinnvolle Alternative?

Ulrich Kranz, Founder Canoo

Cool und elegant : Design für die Generation Smartphone

Keep it simple!

Der Canoo ist als Minibus konzipiert, der in jede Parklücke passt, aber innen so geräumig ist wie ein großer SUV. Im Innenraum wird kein Platz verschenkt. Dank der elektronischen Lenkung entfällt die mechanische Lenksäule. So haben die Ingenieure zusätzliches Volumen im Fahrgastraum freigeräumt. Das Unternehmen möchte den Einstieg in jeder Hinsicht so einfach wie möglich gestalten und verspricht potenziellen Kunden ein Rundum-sorglos-Paket. So sollen Canoo-Fahrer keine Autobesitzer sein, sondern Abonnenten, die mit Canoo einen Nutzungsvertrag abschließen, der monatlich gekündigt werden kann. „Die Mitgliedschaft beinhaltet eine 24/7-Verfügbarkeit des Fahrzeugs, das umfasst dann ein Meilenpaket, Zulassung und Wartung, dazu Versicherung und den Zugang zur Ladeinfrastruktur“, teilt das Unternehmen mit. „Kein Stress mit dem Autokauf, keine Bindung an Leasingverträge mit langer Laufzeit, die dann doch nicht dem Bedarf entsprechen.“ Ob Canoos Modell preisgünstiger ist als die Anschaffung eines Elektro-Vans, lässt sich allerdings derzeit nicht vergleichen, weil das Unternehmen noch keine Zahlen nennt und erst Ende 2021 ein Preismodell veröffentlichen will.

Abkehr von Benzin und Besitz

Das Flatrate-Modell kann die Hemmschwelle für den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug senken. Denn in den Köpfen vieler Autofahrer, die noch nicht mir der Antriebsart vertraut sind, stecken Vorbehalte. Zum Beispiel die Anschaffungskosten. Dazu kommt Skepsis gegenüber der Ladeinfrastruktur und der Reichweite. Wer die neue Mobilität erstmal einen Monat lang testen kann, muss nicht lange das Für und Wider abwägen oder sich für eine langfristige Investition entscheiden. Startups wie Canoo haben das Potenzial, das Auto wortwörtlich aus seinen festgezurrten Bahnen zu lösen und einen Bewusstseins- und Wertewandel zu beschleunigen: weg von Benzin und Besitz, hin zu elektrischem Antrieb und Mobilität nach Bedarf. „Für fast alles in unserem Alltag schließen wir mittlerweile ein Abo ab, warum nicht auch für unser Auto?“, argumentieren die Unternehmensgründer.

Gerade bei jungen Städtern dürfte dieser Ansatz auf fruchtbaren Boden fallen, gelten sie doch als aufgeschlossen gegenüber digitalen Dienstleistungen, Carsharing und klimafreundlicher Mobilität. Da ist es naheliegend, dass Canoo den Elektro-Van zuerst in der kalifornischen Metropole Los Angeles auf die Straße bringen will. Danach sollen weitere Großstädte in den USA folgen. Die Nutzungsbedingungen sehen vor, dass sich mehrere Personen den Siebensitzer teilen können, beispielsweise Familien. Canoo erlaubt auch die Nutzung des Autos für Ridesharing, also für private Fahrdienste. Damit könnte der Elektro-Van Teil einer flexiblen, nachhaltigen Mobilität werden.

Für fast alles in unserem Alltag schließen wir mittlerweile ein Abo ab, warum nicht auch für unser Auto?

Stefan Krause, Founder

Der Plan der Gründer sieht vor, dass eine erste Begeisterungswelle die Experimentierfreudigen erfasst: „Leute auf der Suche nach dem nächsten großen Ding oder dem nächsten Kick,“ so beschreibt Canoo die Zielgruppe. Das Marketingkonzept setzt auf Neugier, Exklusivität und spielerischen Ehrgeiz. Seit Januar 2020 können sich Interessierte registrieren lassen. Die Resonanz habe die „Erwartungen weit übertroffen“, teilt das Unternehmen mit, ohne Zahlen zu nennen. „First Waver“ werden die Kunden auf der Warteliste genannt. „First Waver“, die ganz oben auf der neuen Welle surfen wollen, sammeln Punkte, indem sie andere auf die Liste hinweisen oder an Umfragen des Unternehmens teilnehmen. „Mehr Punkte verbessern die Position auf der Warteliste!“, locken die Marketingstrategen.

Skateboard: Auf das einheitliche Chassis lässt sich jede beliebige Fahrzeugkabine aufsetzen.

Ein Skateboard für alle

Die Reduktion auf das Wesentliche gilt auch für die Konstruktion. Canoos Ingenieure haben ein modell- und markenunabhängiges Chassis entwickelt, das sie als „Skateboard“ bezeichnen. Darauf werden Elektromotor und die Batterie montiert. Auf diesen Unterbau kann jede beliebige Fahrzeugkabine aufgesetzt werden – auch von anderen Herstellern. „Die Nutzung des einheitlichen, flachen Skateboards reduziert Entwicklungskosten. Außerdem können wir effizienter produzieren und den Innenraum besser nutzen“, argumentiert das Unternehmen.

Partnerschaft mit Hyundai

Mit diesem Konzept hat Canoo bereits einen großen Partner ins Boot geholt: Hyundai lässt auf Basis der skalierbaren Skatebord-Architektur von Canoo eine vollelektrische Plattform für die Konzernmarken Hyundai und Kia entwickeln. Damit wollen die Südkoreaner ihre E-Montagelinie standardisieren und Kosten senken, um schneller und flexibler auf Kundenwünsche und den Umbruch des Automobilmarktes reagieren zu können. Die Partnerschaft mit Canoo sei ein Teil von Hyundais Vorhaben, in den nächsten fünf Jahren 87 Milliarden Dollar in des Ausbau seines Elektro-Programms zu investieren. „Die Partnerschaft mit einem so großen Namen wie Hyundai ist eine Bestätigung für das Konzept unseres jungen Unternehmens“, teilt Canoo mit. Aktuell laufen Tests mit Betaversionen des Elektro-Vans. Canoo rechnet optimistisch damit, dass die Corona-Krise den Launch nur um wenige Monate verschieben werde. Nach Stand vom Juni 2020 ist die Markteinführung für Anfang 2022 geplant.

Built for you: In jedes Detail verliebt, von Hand gemessen oder gefertigt, jeder Arbeitsschritt getestet.  Die Firma Canoo überlässt nichts dem Zufall und zeigt das auch in ihrem Imagevideo.

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